Lexikon der Filmbegriffe

Kommunales Kino

oft abgekürzt: KoKi; ältere Bezeichnung (aus den 1910ern und 1920ern): Gemeindekino

Kommunale Kinos werden in der BRD in der Regel von den Kommunen (und teilweise durch Zuschüsse anteilig von den jeweiligen Bundesländern) finanziert. Sie spielen entweder in eigenen Räumen, in Zusammenarbeit mit der örtlichen Volkshochschule, in Kooperation mit kommerziellen Kinos oder auch in anderen Räumen von kommunalen oder freien Trägern. Wie die Spielorte, so sind auch die Organisationsformen und Professionalisierungsgrade Kommunaler Kinos unterschiedlich: Das reicht von Kinos mit wenigen Spielterminen im Monat, die vollständig auf ehrenamtlicher Tätigkeit basieren, bis zu solchen mit vollem Spielbetrieb, in denen große Teile der anfallenden Tätigkeiten durch hauptamtliche Mitarbeiter erledigt werden.
Das erste Kommunale Kino der BRD wurde schon 1963 in München als Teil des Stadtmuseums das Filmmuseum München eingerichtet, das als Kinemathek das Sammeln, Restaurieren und Zeigen von Filmen als seine Hauptaufgaben sah. Mit dem filmforum wurde das erste explizit als „Kommunales Kino“ ausgewiesene Projekt am 27.9.1970 in Duisburg eröffnet. Am 3.12.1971 folgte in Frankfurt das zweite Kino dieser Art (ab 1973 unter der Leitung von Walter Schobert). Schon 1973 gab es zehn kommunal geführte Kinos in der BRD. Nach einem Frankfurter Gerichtsurteil waren die KoKis neben anderen öffentlichen kulturellen Einrichtungen wie Theater, Konzert, Museum und Bibliothek als Träger von Kulturgut anerkannt und deshalb zur öffentlichen Förderung berechtigt. Die Leistung eines Kommunalen Kinos sei grundsätzlich anders als die eines gewerblichen und stelle so keine Konkurrenz dar. Eine ganze Reihe von KoKis entstammt (wie in Kiel) den früheren Filmclubs, die bereits Ende der 1950er Jahre gegründet worden waren. Der Dachverband der Kokis ist der heute (2009) 140 Mitglieder starke  Bundesverband kommunale Filmarbeit (in der Schweiz der Verein CinéLibre).
Getreu dem von Walter Schobert formulierten Motto „Andere Filme anders zeigen“ bemühen sich die Kommunalen Kinos um ein Programm, das sich von dem kommerzieller Kinos unterscheidet. „Andere Filme“ sind beispielsweise Experimentalfilme, Filme aus nichtwestlichen Ländern, Dokumentarfilme, Stummfilme (auch mit Livemusikbegleitung). Die gezeigten Filme stammen ebenso aus dem regulären Angebot der gewerblichen Filmverleiher wie von Kinematheken, Filmsammlern, aus Filmarchiven und von Spezialverleihern. Einige kommunale Kinos verfügen über einen eigenen Filmstock und tauschen sich mit anderen aus. Viele Kommunale Kinos zeigen Retrospektiven zu einzelnen Filmschaffenden oder thematische bzw. filmhistorische Filmreihen. Manche Kommunale Kinos ergänzen ihre Filmreihen auch durch Vorträge.

Homepage des Bundesverbandes: http://www.kommunale-kinos.de/pages/start.htm.

Literatur: Hoffmann, Hilmar: Kommunales Kino. In: Theorie des Kinos. Ideologiekritik der Traumfabrik. Hrsg. v. Karsten Witte. Frankfurt: Suhrkamp 1972, S. 265-280.


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: W HHM


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