Lexikon der Filmbegriffe

Generation: China

Die chinesische Filmgeschichte wird als Folge von „Generationen“ von Filmemachern eingeteilt. Bis heute rechnet man sechs Generationen, die sich formal, politisch und inhaltlich unterscheiden: (1) Die 1. Generation bezeichnet die Filmpioniere, die von 1905 bis in die 1920er arbeiteten – vom amerikanischen Kino beeinflusst, zugleich traditionelle chinesische Elemente zu berücksichtigen versuchend (indem sie z.B. Peking-Opern verfilmten). (2) Die Filme der 2. Generation (1920er bis zum 2. Weltkrieg) waren vom Hollywood-Kino, aber auch vom russischen Revolutionsfilm geprägt. Patriotische und sozialengagierte Filme traten dazu. (3) Die 3. Generation (Mitte 1940er bis in die 1960er) ist ganz den starren Regeln der kommunistischen Filmpropaganda und Volkserziehung verpflichtet. (4) Die politischen Unruhen der Kulturrevolution – in deren Folge die chinesische Filmakademie in Peking (Beijing) geschlossen wurde – bedingten, dass die Regisseure der 4. Generation zwar oft in den 1960ern ausgebildet waren, erste Filme aber erst in den frühen 1980ern machen konnten. Vor allem Themen der Vergangenheitsbewältigung gehörten zu ihrem Anliegen. (5) Die 5. Generation, die durch Regisseure repräsentiert ist, die den ersten Jahrgängen der Pekinger Filmakademie entstammen, die 1978 wiedereröffnet wurde und 1982 erste Absolventen entließ, formulierte erste Kritik am System und suchte eine eigene, der chinesischen bildenden Kunst ebenso wie verschiedenen nationalen Filmkulturen entnommene Bildsprache zu entwickeln. (6) Der Kern der 6. Generation besteht hauptsächlich aus Regisseuren, die 1989 von der Akademie kamen und die darum manchmal auch „Klasse 89" genannt wird. Sie formierten zum ersten Mal ein unabhängiges Kino, manchmal im Untergrund angesiedelt (darum auch manchmal „schwarzes Kino“ genannt), mit einfachsten technischen Mitteln (vor allem Video) und minimalem Budget. Die Filme spielen meist in den Großstädten, wogegen die Filme aller anderen Generationen vorwiegend im ländlichen, dörflichen oder kleinstädtischen Milieu angesiedelt sind.

Literatur: Cornelius, Sheila: New Chinese Cinema. Challenging Representations. London [...]: Wallflower Press 2002. – Kramer, Stefan: Geschichte des chinesischen Films. Stuttgart: Metzler 1997. – Reynaud, Bérénice: Nouvelles Chines Nouveaux cinémas. Paris: Ed. Cahiers du Cinéma 1999.


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: AS


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