Lexikon der Filmbegriffe

Giallo

ital. giallo = gelb

Giallo bezeichnet die Umschlagfärbung italienischer Trivialromane, die dem Giallo-Film als inhaltliche, geschmackliche und stilistische Vorlagen dienten. Der Giallo wird als italienische Schundvariante des Thrillers angesehen. Das inhaltliche Muster ist stereotyp: Ein meist maskierter, behandschuhter Mörder tötet in oftmals surrealer Weise schöne Frauen. Die Morde sind dabei häufig sexuell motiviert. Mario Bavas im Moritatenstil erzählter Kriminalfilm Sei Donne per l‘Assassino (Blutige Seide, 1964) ist eines der klassischen Beispiele des giallo. Deutlich ist der hohe ästhetische Aufwand, der der Ausstattung, der Bildgestaltung und der Schauspielerführung gewidmet ist. Im Umfeld eines Modesalons ermordet ein maskierter Killer sechs Fotomodelle. Tödlich schön sind die Leichen in dem eleganten Ambiente arrangiert, blutrote Symbole ersetzen das profane Kunstblut. Der fetischistische Unterton, der im Film allenthalben zu spüren ist, wurde zu einem archetypischen Thema des giallo und findet sich bis heute. In elegant durchkomponierten Bildern kreierte Mario Bava hier eine ultimative Form ästhetisierter „Todeskunst“, wie sie ein rundes Jahrzehnt später auch Dario Argento inspirieren sollte. Mit seinem Namen ist die Geschichte des giallo eng verbunden: sein L‘Uccello dalle piume di Cristallo (Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe) eröffnet 1969 die Hochphase des Genres, Profondo rosso (Rosso - Farbe des Todes) steht 1975 am Ende. Der stilistische Einfluss des giallo – Sorgfalt in Ausstattung und Gestaltung, sexuelle Motivation des Inhalts, kriminalistische Erzählformen – blieb aber weiterhin spürbar.

Literatur: Cazzato, Luigi: Generi, recupero, dissoluzione. L'Uso del giallo e della fantascienza nella narrativa contemporanea. Fasano: Schena 1999. – Oliva, Carlo: Storia sociale del giallo. Lugano: Todaro 2003.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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