Lexikon der Filmbegriffe

Goldener Schnitt

lat.: sectio aurea; auch: harmonische Teilung oder stetige Teilung

In der Mathematik versteht man unter goldener Schnitt die Teilung einer Strecke in zwei Abschnitte, wobei sich der kleinere der beiden zum größeren wie dieser zur ganzen Strecke verhalten soll (c:b=b:a / a=c+b). Der Anwendung dieses formalen Verhältnisses lag in der bildenden Kunst seit der Antike die Annahme zugrunde, dass die Welt in ihrer inneren Struktur Prinzipien realisiere, die sich mathematisch ausdrücken ließen. Als ästhetische Forderung sollte das Kunstwerk derartige Proportionsverhältnisse aus der Natur übernehmen, sie galten als „schön“ und „wahr“ zugleich, weil sie auf natürlichen Harmonien beruhten. Insbesondere in den Poetologien und Ikonologien der Renaissance hatte der goldene Schnitt große Bedeutung, die bis heute fortwirkt. Oft unbewusst eingesetzt, werden in der Bildgestaltung und in der Wahl von Bildformaten Proportionen aufgesucht, die dem goldenen Schnitt nahekommen (wie z.B. das europäische Standardformat 1,66:1).

Literatur: Hagenmaier, Otto: Der goldene Schnitt. Ein Harmoniegesetz und seine Anwendung. 6., unveränd. Aufl. Augsburg: Weltbild-Verlag 1988. – Schoot, Albert van der: Die Geschichte des goldenen Schnitts. Aufstieg und Fall der göttlichen Proportion. Stuttgart-Bad Canstatt: Frommann-Holzboog 2005 (Ästhetik. 3.). Orig. holl.: De ontstelling van Pythagoras. Over de geschiedenis van de goddelijke proportie. Baarn: Agora 1999.

Referenzen:

Proportionslehre


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KJ HJW


Zurück