Lexikon der Filmbegriffe

girl gang film

dt. etwa: Mädchenbandenfilm; manchmal auch: grrrls gang film

Eine der auffälligsten Ausprägungen der Filme über jugendliche Delinquenz, insbesondere Gewalttätigkeit sind Filme, die nicht männliche, sondern weibliche Jugendgruppen als Hauptfiguren haben. Das Motiv entstand in den 1950er Jahren. Der programmatische Film Girl Gang (USA 1954, Robert C. Dertano) erzählt von einem Gangster, für den eine Gruppe drogenabhängiger junger Frauen Raubüberfälle durchführt. Schon dieser Film schöpfte die Ambivalenz des Themas aus – die Attraktivität der Frauen wird durch ihre Verdorbenheit eher unterstrichen als gemindert. Roger Comans Teenage Doll (aka: The Young Rebels, USA 1957) erzählt von den „Black Widows“, einer Mädchengang, die an der konkurrierenden Gang der „Vandalettes“ Rache für den Tod eines ihrer Mitglieder nehmen will; er präsentiert die Mädchen vor dem Hintergrund ihrer meist hochproblematischen familiären Herkunft. Russ Meyers Faster, Pussycat! Kill! Kill! (USA 1965) ist eine Ode auf die Gewalttätigkeit von Frauen und führt die Thematik zusammen mit fetischartigem Umgang mit Porsche-Sportwagen, der Kultivierung engst anliegender Kleidung und gelegentlich spürbaren offen-sadistischen Handlungsorientierungen; Sexualität, Dominanz, Gewalt, Besitzgier gehen ein in sich oft widersprüchliches, aber unauflösbares Bündnis ein.


Andere Filme des Motivkomplexes nehmen Elemente des Biker-Films auf (wie She-Devils on Wheels, USA 1968, Herschell Gordon Lewis), erzählen sexistisch untersetzte Rachegeschichten (wie Truck Stop Women, USA 1974, Mark L. Lester) oder schmiegen sich an den Gefängnis- und Camp-Film an ( wie Reform School Girls, USA 1986, Tom DeSimone). Von Beginn an gehören die meisten Girl-Gang-Filme dem Exploitations-Kino zu, die Drastik und Direktheit, mit der weibliche Selbstvertretung mit Kategorien männlicher Verhaltensweisen vermischt wird, hat die Filme aus dem Mainstream-Kino herausgehalten.

Literatur: Zalcock, Bev: Renegade sisters. Girl gangs on film. London [...]: Creation Books 1998. Neuaufl. 2001.

Referenzen:

Gang-Film


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: CA


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