Lexikon der Filmbegriffe

Familienkino / Familienfilm

engl.: family cinema, family film, family entertainment

(1) Für den gemeinsamen Kinobesuch einer Großfamilie tauglicher Film, dessen Protagonisten typischerweise alle (zumeist aber drei) Generationen überspannen und dessen in der Regel harmlose Konflikte so gewählt sind, dass auch Kinder der Handlung folgen können (ohne vielleicht alles zu verstehen), während Erwachsene sich allenfalls milde langweilen. Viele Zeichentrickfilme (v.a. die Walt-Disney-Klassiker) und Heimatfilme der 1950er Jahre adressieren ein generationenübergreifendes Publikum und thematisieren innerfamiliäre Konflikte ohne gesteigerte dramatische Verwerfungen (wie sonst beim Familiendrama üblich). Häufig stehen auch kindliche Protagonisten im Mittelpunkt der Handlung (wie in Home Alone / Keven, allein zu Haus, 1990).
(2) Familienfilme stehen in klarer Opposition zu Filmen, die für spezifische Altergruppen hergestellt sind (Kinderfilme, Jugendfilme u.ä.). Da die Altersdiversifikation sich erst ausgangs der 1940er als eine Marktrealität herausbildete, bildet sich auch der Begriff des Familienfilms erst in dieser Zeit heraus, um Filme mit allgemein altersunspezifischen Adressaten von allen anderen zu unterscheiden. Bis dahin waren alle Hollywood-Produktionen altersunspezifisch gewesen (wie etwa It‘s a Wonderful Life, USA 1946, Frank Capra). Als Marketingsbegriff tritt „Familienfilm“ erst in den 1980ern auf, wohl um sich gegen die Exklusivität der Bezeichnung „Kinderfilm“ abzusichern. Viele Familienfilme sind phantastischen Inhalts, ihre Leitfiguren sind Phantasiegestalten (man denke an Disneys Protagonisten in Mary Poppins, 1964, The Absent-Minded Professor, 1960, oder an den Auto-Helden in den Filmen der Herbie-Reihe, 1968ff); auch Tiere werden gern als Figuren der Handlung inszeniert (wie in Beethoven, 1991). Die meisten Familienfilme sind Komödien und stellen dabei Erwachsenenfiguren aus, die bis zur Lächerlichkeit des Slapstick dem Lachen ausgesetzt werden (neben neueren Beispielen wie Mrs. Doubtfire, 1993, werden darum immer wieder ältere Slapstickfilme etwa von Stan und Ollie als Familienunterhaltung angeboten).

Literatur: Karczok, Kurz: Familienfilm – klipp und klar! Lehrbuch über die Gestaltung von Kinder-, Ferien-, Weihnachts- und Kurzspielfilmen. Winterthur/München: Gemsberg 1966.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: UK CA


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