Lexikon der Filmbegriffe

Farbfilm (technisch) II

Anfangs, zur Stummfilmzeit, existierten neben den „echten“ Farbfilmen noch Einfärbe- und Koloriermethoden, die mit Einführung des Tonfilms verschwanden. Immerhin waren die meisten Stummfilme „irgendwie farbig“ gewesen, was lange Zeit in Vergessenheit geraten war, bis es bei Restaurierungen wieder entdeckt wurde. Wichtige historische Pionierleistungen beim Farbfilm waren 1909 die Einführung von Kinemacolor als erstem praktikablen Farbverfahren und 1915 die Gründung der Firma Technicolor mit ihren verschiedenen Verfahren, von denen das 1932-1955 ausgeübte dreifarbige mit Strahlenteilerkamera und Druckprozess (Imbibition) das bedeutendste wurde. 1939 wurde mit dem von Agfa in Deutschland ausgearbeitetem Agfacolor Negativ/Positiv-Verfahren der im Unterschied zu den bisherigen Verfahren recht einfach zu handhabende moderne Mehrschichtenfilm auch für das Kino eingeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten international weitere ähnliche Fabrikate aller großen Filmhersteller, von denen die ab Ende 1950 hergestellten Eastman-Color-Materialien der Kodak und ihre verbesserten Nachfolger einen breiten Durchbruch auf qualitativ hoher Basis brachten. Sie lösten die alten Verfahren spätestens 1954 mit der Aufgabe des letzten Zweifarbenfilms (Cinecolor bzw. Color by Color Corporation of America) ab. Im Laufe der Zeit erfolgten erhebliche Verbesserungen bei den Filmmaterialien: Steigerung der Empfindlichkeit, höhere Farbsättigung und genauere Farbtontrennung, feinere Körnigkeit und höhere Schärfe sowie in der Verarbeitung durch einheitliche Entwicklungsprozesse mit kürzeren Verarbeitungszeiten für die kompatibel gewordenen Filme. Eine wichtige Aufgabe, um die sich Institute, spezielle Unternehmen und Fernsehanstalten verdient machen, ist die Restaurierung (besser: Rekonstruktion) alter Farbfilme, sowohl was Ton und Farben als auch ihre Vollständigkeit betrifft.

Literatur: Coe, Brian: The Development of Colour Cinematography. In: The International Encyclopedia of Film. Ed. by Roger Manvell. London: Michael Joseph 1972, S. 29-48. – Cornwell-Clyne, Major Adrian: Colour Cinematography. 3rd ed. London: Chapman & Hall 1951. Zuerst 1936. – Koshofer, Gert: Color. Die Farben des Films. Berlin: Spiess 1988. – Koshofer, Gert: Kodak und der Kinofarbfilm. In: Weltwunder der Kinematographie 6, 2002, S. 311-360. – Mehnert, Hilmar: Die Farbe im Film und Fernsehen. Leipzig: VEB Fotokinoverlag Leipzig 1974. – Nowotny, Robert A.: The Way of All Flesh Tones. A History of Color Motion Picture Technology. New York/London: Garland 1983. – Ryan, Roderick T.: A History of Motion Picture Color Technology. London/New York: The Focal Press 1977. – Schultze, Werner: Farbenphotographie und Farbenfilm. Berlin/Göttingen/Heidelberg: Springer 1953.


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: GK


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