Lexikon der Filmbegriffe

Film-Wertschätzung

auch: Einschätzung von Filmen; engl.: movie appreciation

Dass sich Zuschauer-Gruppen durch die Unterschiedlichkeit der Geschmacksurteile und durch die unterschiedlichen Präferenzen für Film-Genres, -Stile, -Stars u.ä., aber auch ihre Thematik, nationale Spezifik kennzeichnen lassen, ist in der Praxis des Filmmarketing eine Binsenweisheit und spätestens seit Bourdieus Überlegungen zur Rolle der Präferenzmuster als Mittel der sozialen Differenzierung auch theoretisch untermauert. Uneinigkeit besteht aber weiterhin in der Begründung der Unterschiede der Beurteilung gewisser Inhalte: Empirische Studien gab es vor allem in der unterschiedlichen Reaktion von Männern und Frauen auf Gewalt- und Horrorszenen. Hier wurde gelegentlich mit einem biologischen Modell argumentiert, dass Aggressivität als ein entwicklungsgeschichtlich frühes Muster der Problembewältigung von Männern und Frauen unterschiedlich adaptiert worden sei. Andere wandten gegen diese Argumentation ein, dass es ausgeprägte Muster der Zulässigkeit oder sogar Erwünschtheit von Gewaltszenarien für verschiedene Zuschauergruppen gebe, die nicht evolutionär, sondern milieubedingt zu erklären seien. 

Literatur: d’Astous, Alain / Colbert, François / Nobert, Véronique: Effects of Country-Genre Congruence on the Evaluation of Movies: The Moderating Role of Critical Reviews and Moviegoers’ Prior Knowledge. In: International Journal of Arts Management 10,1, 2007, S. 45-51. - Berry, M. / Gray, T. / Donnestein E.: Cutting film violence: Effects on perceptions, enjoyment, and arousal. In: The Journal of Social Psychology 139,5, 1999, S. 567-582. – Faber, R.J. / O’Guinn, T.C.: Effect of Media Advertising and Other Sources on Movie Selection. In: Journalism Quarterly 61, 1984, S. 317–377.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: AS


Zurück