Lexikon der Filmbegriffe

forking path

dt. etwa: Weggabelung

Geschichten mit alternativen Plotentwicklungen, die nacheinander durchgespielt werden. Dazu rechnen Przypadek (Der Zufall möglicherweise, Polen 1981, Krzysztof Kieslowski), Lola rennt (BRD 1998, Tom Tykwer), Sliding Doors (USA 1998, Peter Howitt) oder Alain Resnais‘ Doppelfilm Smoking / No Smoking (Frankreich 1993). Gemeinsam ist diesen Filmen, dass hier von verschiedenen möglichen Entwicklungen der gleichen dramatischen Grundkonstellation erzählt wird, die von einem gegebenen Zeitpunkt und einem alltäglichen Ereignis (das Erreichen oder Verpassen eines Zuges, die Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören oder eben nicht) ihren Ausgang nehmen und zufalls- oder schicksalsgesteuert sind. Doch wo es keine ‚richtigen‘ sondern lediglich alternative, bestenfalls ‚wünschenswerte‘ Plotentwicklungen gibt, kann es auch keine ‚falschen‘ geben. Der Wahrheits- und Geltungsanspruch der Geschichten ist ausgesetzt, wird möglicherweise überlagert von der subjektiven Beurteilung des Geschehens.

Literatur: Bordwell, David: Film futures. In: SubStance 31,1 (=97), 2002, S. 88-104. – Branigan, Edward: Nearly true: Forking plots, forking interpretations. In: SubStance 31,1 (=97), 2002, S. 105-114. – Diffrient, David Scott: Alternate futures, contradictory pasts: Forking paths and cubist narratives in contemporary film. In: Screening the Past, 20, 2006, URL: http://www.latrobe.edu.au/screeningthepast/20/alternate-futures.html.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: BH


Zurück