Lexikon der Filmbegriffe

Cyborg: Dramaturgie

Kofferwort aus cybernetics und organism

Seit den frühen 1960er Jahren ist Cyborg als Bezeichnung für ein Wesen, das biologische und mechanische Teile integriert, geläufig geworden. In der Robotik werden true cyborgs von allen anderen Mensch-Maschine-Integrierten abgehoben – darunter versteht man solche Lebewesen, in denen Maschinen essentielle Lebensfunktionen übernommen haben. Im Film ist Cyborg meist eine allgemeinere Sammelbezeichnung für humanoide künstliche Lebensformen. Damit wird die Figur in die Tradition älterer Vorstellungen von künstlichen Wesen – etwa Frankensteins Kunstmensch, Androiden oder Roboter – eingerückt. Donna Haraway machte darauf aufmerksam, dass mit dem Cyborg Teile der sonst dem Sakralen zugeordneten Macht, Leben und Lebensformen zu schaffen, auf den Menschen zurückfalle. Außerdem impliziere das Cyborg-Modell eine Entmachtung der Sexualität. Funktional sind Cyborgs als Projektionsfiguren für gegenwärtige Konzepte von Humanität und Identität zu verstehen. An einer Figur wie Data aus der Fernsehserie Star Trek können Fragen der Fähigkeit zur Verantwortung, zur Emotionalität, zum Umgang mit moralischen Dilemmata etc. durchgespielt werden, so dass identitätsphilosophische Größen wie die Leib-Geist-Koppelung oder Probleme einer künstlichen Intelligenz dramatisiert und diskursiviert werden können.

Literatur: Donna Haraway: A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century. In: Simians, cyborgs and women: The reinvention of nature. New York: Routledge 1991, S.149-181.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KJ HJW


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