Lexikon der Filmbegriffe

cinema of evil

Als cinema of evil (Kino des Bösen) wird eine Tendenz vornehmlich französischer Filme seit den späten 1990er Jahren bezeichnet, im Sinne von Antonin Artauds „Theater der Grausamkeiten“ die von Georges Bataille (seit La littérature et le mal, 1957) untersuchten Beziehungen zwischen – häufig kindlich-regressivem – obsessivem sexuellen Begehren und körperlicher Gewalt gegenüber dem Begehrten auszuleuchten. Das ältere französische Kino hatte die komplizierten und problematischen Beziehungen zwischen innerer Freiheit und dem Bösen noch im Horrorgenre anhand innerpsychischer Auseinandersetzungen von Jekyll/Hyde-Figuren expliziert (wie etwa in der Gestalt des Opale in Jean Renoirs Le Testament du Docteur Cordelier [Das Testament des Dr. Cordelier], 1959). Das neue cinema of evildagegen zeigt kalt und unerotisch das verzweifelte und hoffnungslose Ringen um Liebe als kindliche, letztlich aber so mörderische wie selbstzerstörerische, sexuelle Aggression gegen dem Anderen. Große Teile der Filmkritik wollen in derartigen Filmen kunstgewerbliche Pornographie sehen oder wenden sich gegen ihre vermeintlich erbärmliche Amoralität.

Beispiele: Sombre (Dunkle Triebe, Frankreich 1998, Philippe Grandrieux); A ma Soeur! (Meine Schwester, Frankreich/Italien 2001, Catherine Breillat); La Vie nouvelle (Verraten und verkauft, Frankreich 2002, Ph. Grandrieux).

Literatur: Beugnet, Martine: Evil and the senses: Philippe Grandrieux's Sombre and La Vie nouvelle. In: Studies in French Cinema 5,3, 2005, S. 175-184. – Maddock, Trevor H. /Krisjansen, Ivan: Surrealist poetics and the cinema of evil: the significance of the expression of sovereignity in Catherine Breillat́s A Ma Soeur. In: Studies in French Cinema 3,3 2002, S. 161-171.

Referenzen:

cinema du corps

cinema of the senses


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: LK


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