Lexikon der Filmbegriffe

cinéma nordiste

französisch für: „Kino aus dem / über den (französischen) Norden“

„Nord“ (jetzt: Nord-Pas de Calais) heißt die nördlichste, an Flandern grenzende Region Frankreichs mit der Hauptstadt Lille, und meistens sind die angrenzenden belgischen Gebiete mit gemeint. In diesem Norden spricht man einen auch chti(mi) genannten pikardischen Dialekt (ein Patois) des Französischen, der für südlichere Franzosen nur schwer verständlich ist - manche sehen in ihm gar eine eigene Sprache. Obgleich die Gegend eng besiedelt und die Arbeitslosigkeit hoch ist, haben ihre Bewohner doch durch sprachlichen Eigentümlichkeiten, Sitten und Gebräuche sich ihren weitgehend eigenständig-widerspenstigen, ländlichen Charakter bewahrt.
Seit den späten 1990er Jahren hat sich eine Reihe von französischen und belgischen Regisseuren der Landschaft des Nordens und der dortigen Menschen mit ihren Lebensproblemen angenommen. Dabei gelangen Themen wie wirtschaftliche Probleme, Arbeitslosigkeit, Migration und Politik zu reizvollen lokalen Bearbeitungen.

Beispiele: La Vie De Jésus (Das Leben des Jesus, 1997, Bruno Dumont); Karnaval (Karneval, 1998, Thomas Vincent); Ç'a commence aujourd'hui (Es beginnt heute, 1999, Bertrand Tavernier); Les Convoyeurs attendents (Rekordjäger, 1999, Benoît Mariage). Insbesondere Dany Boons Regional-Komödie Bienvenue chez les Ch'tis (Willkommen bei den Ch'tis, 2008), in der ein Südfranzose in jenes ferne, kalte und unwirtliche Land im Norden versetzt wird, war in Frankreich ein großer Publikumserfolg.

Literatur: Bénézet, Delphine: Contrasting visions in le jeune cinéma: poetics, politics and the rural. In: Studies in French Cinema 5,3, 2005, S. 163-174. – Ors, Sébastien / Tancelin, Philippe / Jouve, Valérie: Bruno Dumont. Paris: Dis Voir 2001.

Referenzen:

jeune cinéma


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: LK


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