Lexikon der Filmbegriffe

cinéma djidid

algerisch-französisch: Junges Kino, Junger Film

Phase des algerischen Films von Anfang bis etwa Mitte der 1970er Jahre. Jüngere Filmemacher des Maghreb-Staates, unzufrieden mit den staatlich zelebrierten Befreiungsmythen des cinéma moudjahid, das die Zeit des Algerienkriegs (1954-1962) und die gewonnene Unabhängigkeit von Frankreich heroisch-revolutionär glorifizierte, begannen unter den Augen einer politisch linken Regierung, sich drängenderen Themen des algerischen Alltags zu widmen. Kleine Filme über Korruption, Landreform, Stellung der Frau in Stadt und Land und die Nöte der Arbeitslosen entstanden (bekannter wurde Mohamed Bouamaris Le Charbonnier (Der Köhler, 1972, durch seine Präsentation in Cannes 1973). Doch bereits wenige Jahre später setzte die algerische Filmindustrie, immerhin die größte und höchstentwickelte des Maghreb, statt auf Themen aus einer eher traurigen Alltagswelt lieber wieder auf wesentlich teurere, doch offenbar auch zugkräftigere Historienprojekte für ein breiteres Publikum. Mohamed Lakhdar-Haminas Chronique des Années de Braise (Chronik der Jahre der Glut, 1975), ein Film, der die koloniale Zeit von 1939 bis zum Ausbruch der Revolution 1954 behandelt und der als erster afrikanischer Film den Großen Preis von Cannes gewann, steht für diese Abkehr vom Jungen Film des cinéma djidid.

Literatur: Hennebelle, Guy: Cinéma Djidid. In: Salmane, Hala / Hartog, Simon / Wilson, David (eds.): Algerian Cinema. London: British Film Institute 1976, S. 28-36 [mit Liste von 12 Regisseuren].

Referenzen:

cinéma moudjahid


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: LK


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