Lexikon der Filmbegriffe

Casting-Show

auch: Talentshow; wörtlich eigentlich: „Besetzungsshow“

Wie der Name es sagt: Eine Casting-Show ist eine Show-Gattung des Fernsehens, die sich mit dem Casting potentieller Sänger, Tänzer, Models u.ä. befasst. Zentrum der Shows sind einerseits die Arbeitsproben, die die Probanden ablegen müssen, andererseits die Beratung über die Qualitäten der einzelnen Kandidaten und deren Gewichtung. Als Life-Format hat die Talent-Show viel ältere Traditionen; im Fernsehen ist sie dagegen ein sehr neues Genre (wenn man von Shows wie Ted Mack & the Original Amateur Hour, USA 1948-70, die wiederum aus der Radio-Show Major Bowes Original Amateur Hour, 1934-1946, hervorging, in der BRD von Fernsehformaten wie Peter Frankenfelds Toi Toi Toi, BRD 1958-60, absieht). Popstars: Germany (2001ff, mit wechselnden Juroren) gilt als erste ausgewiesene Castingshow im neueren deutschen Fernsehen. Entwickelt von dem Neuseeländer Jonathan Dowling (1999), wurde das Format schnell in vielen Industrie-Ländern adaptiert. Überraschenden Erfolg brachte die RTL-Show Deutschland sucht den Superstar (BRD 2002ff), die wiederum auf dem britischen Format Pop Idol (2001-2003) basierte. Zwar entstehen aus Castingshows immer wieder tatsächlich Popstars; allerdings ist Daniel Kübelböck, der 2003 aus der Show Deutschland sucht den Superstar ausscheiden musste und trotzdem ein bekannter Schlagersänger wurde, ein Beispiel für eine „medieninduzierte Popularität“, die kaum noch durch künstlerische Qualitäten unterfüttert ist und durch rein zynisch-parodistische Qualitäten zusammengehalten wird; gerade er macht die Nähe der neuen Castingshows zur Freakshow greifbar.

Literatur: Jähner, Uli: Ich weiß, ich muss noch an mir arbeiten. Über Casting Shows im Fernsehen. In: Prokla. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 35,4 [=141], 2005, S. 619-635. – Martig, Charles: „Ich bin im Fernsehen, also bin ich“. Identitätskonstruktion im Music-Star-Format. In: Medienheft, 26, 2006, S. 16-19. – Roth, Caroline: Medienbilder – Selbstbilder. Wie Jugendliche über die Castingshow Starmania Identität konstruieren. In: Medienimpulse 14,56, 2006, S. 46-50.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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