Lexikon der Filmbegriffe

Powers Cinephone

Der amerikanische Geschäftsmann Patrick Anthony („Pat“) Powers, der sein Geld mit dem Verkauf billiger Tonausrüstungen für kleinere Kinos verdiente, die nur an der Zweitauswertung von Filmen beteiligt waren, versuchte im Juni 1927 vergeblich, die Reste von Lee DeForests Firma Phonofilm aufzukaufen. Nachdem die Firmenübernahme misslungen war, heuerte Powers den Techniker William Garity an, der bis dahin für DeForest gearbeitet hatte, und beauftragte ihn, ein Imitat des Phonofilm-Aufnahmeverfahrens zu bauen, das er Powers Cinephone nannte. DeForest war finanziell so angeschlagen, dass er gegen den Patentdiebstahl nicht einmal vorging, als er in den Credits zu Disneys höchst erfolgreichem Film Mickey Mouse's Steamboat Willie (1928) nicht genannt wurde. 1928 war Powers nämlich mit Walt Disney ins Geschäft gekommen, der Animations-Filme wie The Gallopin' Gaucho, Plane Crazy (beide 1928) oder die Silly Symphonies (1929-1932) im Cinephone-Verfahren realisierte. Powers überwarf sich kurzzeitig mit Disney, als er den Animator Ub Iwerks abwarb, der ein eigenes Trickfilmstudio aufbauen sollte. Das Cinephone-Verfahren spielte danach keine große Rolle mehr; wenige Filme wie die B-Western von Harry S. Webb – darunter Phantom of the Desert (1930), Beyond the Rio Grande (1930) und Westward Bound (1930) – entstanden außerhalb der Zusammenarbeit mit Disney, der das Verfahren wohl noch bis 1932 weiterverwendete. 


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: JH


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