Lexikon der Filmbegriffe

cue sheet

auch: Performing Rights Cue Sheet

(1) Als cue sheets bezeichnet man Listen mit Musiknummern (cues), die in der Stummfilmzeit von den Produktionsfirmen zur musikalischen Unterlegung eines Films ausgegeben wurden. Die ersten Jahre waren die Filme ohne jedes Begleitmaterial ausgegeben wurden, die musikalische Begleitung oblag jedem einzelnen Kino. Als sich um 1905 Nachfrage nach einer stärkeren Vorproduktion der Musiken erhob, gaben die Firmen ihren Filmen Listen bei, auf denen den Kinokapellmeistern und -pianisten zu den stichwortartig genannten Filmszenen geeignete Musikvorschläge, gemacht wurden. In vielen Fällen wurde nicht nur der allgemeine Charakter der Musik benannt, der zu einer Szene gespielt werden sollte, sondern auf konkrete Stücke Bezug genommen, die nach Möglichkeit gespielt werden sollten. Dabei wurden oft recht genau Aufführungsanweisungen gegeben. Man bezog sich auf das bekannte und leicht zugängliche Repertoire der populären Opern und Operetten des 19. Jahrhunderts, auf Tanz- und Volksmusik, aber auch Kirchen- und Militärmusik, zunehmend auch auf Schlager, die mit dem Grammophon immer größere Bedeutung bekamen.
Das sogenannte thematic cue sheet enthielt zudem die Anfangstakte der ausgewählten Stücke. Zu den frühesten Beispielen zählen die seit 1909 von der Edison Company zu ihren Filmen herausgebrachten Cue Sheets (Suggestions for Music, veröffentlicht in The Edison Kinetogram). Die Zeit der Cue Sheets wurde nach und nach abgelöst durch umfangreiche, thematisch nach typischen Szenen und Stimmungen geordnete sogenannte Kinotheken (auch: Filmmusikanthologien, Kinomusikbibliotheken) abgelöst, die ganze Enzyklopädien originaler Kompositionen und von Arrangements bekannter Stücke als Begleitmusik für verschiedene Szenen vorschlugen. 1913 erschien die von John S. Zamecnik zusammengestellte Sammlung Sam Fox Moving Picture Music (4 Bände, Cleveland 1913/14) als erste Sammlung dieses Typs. (CA)

(2) Für die Abrechnung den Rechteinhabern und den Verwertungsgesellschaften gegenüber werden sogenannte cue sheets angefertigt, die den Komponisten, den Produzenten, die Verbände der beteiligten Parteien (so wie ASCAP, BMI, SESAC), den Titel des Stücks, die tatsächlich verwendete Länge und Hinweise auf die Rolle, die das Stück spielt (als Hintergrund- oder diegetische Radiomusik, als tragende Musik usw.), verzeichnet. Der Music Editor füllt die cue sheets aus, die die Grundlage für die Gebühren sind, die an die Rechteinhaber zu zahlen sind. Möglicherweise stammt die Bezeichnung aus der Zeit, als Komponisten sich Notizen machen mussten, welche Musiken zu welchen Szenen komponiert werden sollten.


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: HHM


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