Lexikon der Filmbegriffe

Container-Show

auch: Containershow; nur im Dt. üblich

Vorbild und Prototyp einer ganzen Reihe von Reality-Shows war die holländische Produktion Big Brother (1999), die binnen kürzester Zeit in zahllose andere nationale Fernsehsysteme adaptiert wurde und dabei zudem zahlreiche Nachahmer fand. Das Muster ist immer gleich: Eine ausgewählte Anzahl von Personen – meist Laien, gelegentlich auch Prominente – stellen sich für eine gewisse Zeit in einer Art von Experiment unter besondere Lebensbedingungen. In Big Brother wurden 10 Mitspieler in einem 150qm großen Container untergebracht; die täglichen Geschehnisse wurden aufgezeichnet, ein Zusammenschnitt täglich gesendet; alle 2 Wochen mussten 2 Teilnehmer der WG den Container verlassen; die am Ende Verbliebenen bekamen einen Preis. Eine scharfe satirische Auseinandersetzung mit dem in der Spielanlage fixierten Zwang zur sozialen Evaluation inszenierte Christoph Schlingensief in Wien, als er unter dem Titel „Bitte liebt Österreich – Erste österreichische Koalitionswoche“ zwölf Schauspieler in drei Containern als „Asylbewerber“ kasernierte; die „Kandidaten“, die die Container auf Grund einer TED-Abstimmung der Zuschauer verlassen mussten, wurden von Polizeiwagen zur Abschiebung aus Österreich zum Wiener Flughafen gefahren.
Die Bezeichnung wird gelegentlich auch im übertragenen Sinne verwendet und bezeichnet dann eher das Spiel „Ein Kollektiv muss diejenigen bestimmen, die das Kollektiv verlassen“ als die tatsächliche Unterbringung in Wohn-Containern. 

Literatur: Böhme-Dürr, Karin: Hundert Tage Aufmerksamkeit. Das Zusammenspiel von Medien, Menschen und Märkten bei „Big Brother“. Konstanz: UVK 2001. – Dörr, Dieter: Big Brother und die Menschenwürde. Die Menschenwürde und die Programmfreiheit am Beispiel eines neuen Sendeformats. Frankfurt [...]: Lang 2000. – Hessing, Volker: Tiefenpsychologische Wirkungsanalyse des Medienereignisses Big Brother. Ein morphologischer Beitrag zur Psychologie von Medien, Alltag und Kultur. Tönning/Lübeck/Marburg: Der Andere Verlag 2004.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: CA


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