Lexikon der Filmbegriffe

Drogenfilme

Die 1930er und 1940er sind die Blütezeit der Anti-Drogen Filme. Zu den bekanntesten zählt wohl Reefer Madness (dt.Kifferwahn: 1938), der in den 1960ern ob seiner allzu durchsichtigen Appelle Kultstatus in der Hippieszene genoss, was ihn wiederum ihn als Musical Ende der 1990er Jahre noch einmal auf die Bühnen Broadways katapultierte.
Während der 1960er sind Drogen Teil der Anti-Kultur. 1967 liefert Roger Corman mit The Trip, den allerersten Psychedelic-Streifen. Lichtspiele und visuelle Effekte sollen dem Zuschauer die Wirkung der Drogen vor Augen führen. Filme wie Easy Rider (1969, Roger Corman) oder Born to Win (1971, Ivan Passer) führten die Thematik weiter, die inneren Erlebensweisen der Drogenerfahrung zu visualisieren. Noch ein Film wie Fear and Loathing in Las Vegas (1998, Terry Gilliam) sucht die Innenbesichtigung der Drogenerfahrung.
Mit Filmen wie der Trilogie Flesh (1968), Trash (1970) und Heat (1972) von Paul Morissey, die ein realistisches Porträt vom trostlosen Leben der Fixer im New Yorker East Village zeichnet, entstand kurze Zeit später eine fast dokumentarisch anmutende Gegenproduktion. Formen der Beschaffungskriminalität oder der Promiskuität der Abhängigen werden zu Themen, bilden manchmal erst den Anfang des Zerfalls auch naher sozialer Beziehungen, einer radikalen Isolation des einzelnen und eines Überhand nehmenden jammernden Egoismus. Ein Beispiel ist der on location gedrehte The Panic in Needle Park (1970, Jerry Schatzberg). Das Problem ist nicht nur im amerikanischen Kino behandelt worden, sondern spielt in allen westlichen Kinematographien eine bedeutende Rolle. Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (BRD1981, Ulrich Edel) ist ein deutscher Film zum Thema, der intensive öffentliche Diskussionen angeregt hat. Parallel zu dieser künstlerischen Thematisierung von Drogen wird der Drogenhandel zu einem der wichtigsten Krimi-Sujets der Folgezeit (mit Filmen wie The French Connection, 1971, William Friedkin).
In den 1980ern wandeln sich Sucht und Drogenhandel zu Indikatoren einer in sich zerfallenden, kranken Gesellschaft. Requiem for a Dream (2000, Darren Aronofsky) nach einem Roman von Hubert Selby Jr. geht es um die Sucht nach Spaß und Erfolg, die sich durch alle Schichten der amerikanischen Gesellschaft zieht. Auch Trainspotting (Großbritannien 1996, Danny Boyle) entwirft ein soziales Szenario, in dem Drogen als Ausgleichsmittel für den Zusammenbruch aller sozialen und individuellen Sinnorientierungen dienen. Eine Summa der narrativen und diegetischen Drogenmotive sowie der dabei verwendeten Stilverfahren ist der Episodenfilm Traffic (2001, Steven Soderbergh).

Literatur: Shapiro, Harry: Shooting stars. Drugs, Hollywood and the movies. London: Serpent’s Tail 2003. – Starks, Michael: Cocain Fiends and Reefer Madness. An Illustrated History of Drugs in the Movies. New York [...]: Cornwall Books 1982. – Stevenson, Jack: Addicted. The myth and menace of drugs in film. [London]: Creation Books 2000. – Weber, Marion: Drogenabhängigkeit als Thema von Spielfilmen. Eine Analyse anhand ausgewählter Beispiele; mit einer kommentierten Filmografie. Diplomarb. FHS Stuttgart 2002. URL: http://digbib.iuk.hdm-stuttgart.de/epub/volltexte/2003/99.
 

Referenzen:

head film

stoner comedy


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: HHM


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