Lexikon der Filmbegriffe

Durchhaltefilm

Als mit der Katastrophe von Stalingrad auch für Goebbels eine endgültige Niederlage des Krieges nicht mehr völlig auszuschließen war, entstand das Konzept der sogenannten Durchhaltefilme. Gemeint waren Filme, die den Durchhaltewillen der Bevölkerung stärken sollten. Z.T. waren Filme dieser Phase der nationalsozialistischen Propagandaarbeit reine Unterhaltungsfilme (wie Die große Liebe, 1941/42, Rolf Hansen, mit dem fast programmatischen Lied: „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n“); die sicherlich eindeutigeren lehnen sich an historische Gestalten und Geschehnisse an, die als Modellfälle dafür einstehen sollten, dass man trotz militärischer Niederlagen und der scheinbaren Ausweglosigkeit der Kriegssituation nicht zweifeln muss, weil am Ende ein möglicher und wundersamer Sieg wartet. Der sicherlich bekannteste und bedeutendste Durchhaltefilm ist Kolberg (1945, Veit Harlan), der eine Anekdote der preußischen Geschichte re-inszeniert: Das pommersche Städtchen wehrt sich unter seinem Führer Nettelbeck (gespielt von Heinrich George) gegen eine erdrückende Übermacht der napoleonischen Truppen – und siegt. Die Planungen begannen bereits im Sommer 1943; der mit Durchhalteparolen getränkte Film wurde zu einer der aufwendigsten Ufa-Produktionen überhaupt. Seine Uraufführung erlebte er am 31.1.1945, dem zwölften Jahrestag der Machtergreifung, in der französischen Feste La Rochelle, in der sich eine Gruppe deutscher Truppen gegen eine gewaltige Übermacht alliierter Truppen verschanzt hatte. Als das reale Kolberg kurze Zeit später von den russischen Truppen eingenommen wurde, ließ Goebbels die Nachricht unterdrücken – sie hätte die erhoffte Wirkung des Kolberg-Films schwächen können. 

Literatur: Inachin, Kyra T.: Prädikat „Film der Nation“. Veit Harlans Durchhaltefilm Kolberg (1943/44). In: Zeitgeschichte regional 7,2, 2003, S. 43-48. – Paret, Peter: Kolberg (1945) as Historical Film and Historical Document. In: Historical Journal of Film, Radio and Television 14.4, Oct. 1994, S. 433-448.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


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