Lexikon der Filmbegriffe

Projektions-AG „Union“ (PAGU)

Die PAGU war die erste horizontal integrierte Filmgesellschaft, die auf dem Gebiet der Produktion, des Verleihs und des Kinos zugleich tätig war. Paul Davidson, der neben Oskar Messter wohl einflussreichste Produzent Berlins in der Kaiserzeit, gründete im März 1906 die Allgemeine Kinematographen Ges. Union-Theater für lebende und Tonbilder GmbH in Frankfurt (Main) mit einem Stammkapital von 20.000 RM. Ein Jahr später baute er sein erstes festes Kino in Mannheim. Es folgten Kinos in Ludwigshafen, Frankfurt/Main, Düsseldorf und Essen. Am 4.9.1909 wurde die Firma in die Aktiengesellschaft Projektions-AG „Union“ (PAGU) – die erste AG der deutschen Filmindustrie! - umstrukturiert und gleichzeitig ein Grosskino U.T. (= Union-Theater) am Alexanderplatz in Berlin eröffnet.
Schon bald erweiterte die PAGU ihr Geschäft mit der Gründung eines der ersten Verleihe Deutschlands, der den Boxkampf Johnson-Jeffries als Monopolfilm anbot, gefolgt von Asta Nielsens Abgründe (1910). Davidson beteiligt sich danach an der Internationalen Film-Vertriebsgesellschaft, die europaweit die Rechte zu Nielsens Film kontrollierte. Der Erfolg war so groß, dass Davidson schon im Jahre 1913 seinen Hauptsitz von Frankfurt nach Berlin verlegte und ab 1913 die Nielsenfilme durch die PAGU produzierte.
Im Januar 1913 nahm die PAGU Max Reinhardt unter Vertrag, doch es kam zu einer finanziellen Krise, die Davidson zwang, im August 1915 die „Union“-Kinos an die Nordisk zu verkaufen. Mit dem Auftritt Ernst Lubitschs als Schauspieler, später dann auch als Regisseur, ging es wieder bergauf. In Berlin-Tempelhof baute PAGU ein neues Atelier. Die Augen der Mumie Ma (1918) mit Pola Negri wurden ein Riesenerfolg für Lubitsch und die PAGU. Mit der Gründung der Ufa wurden die PAGU und der U.T.-Konzern gemeinsam der Nordisk einverleibt. Davidson trat ins Direktorium ein. Bis Ende 1920 erschien die PAGU noch als Markenname der UFA, doch mit dem Ausscheiden Davidsons und Lubitschs, um die EFA zu gründen, verschwand auch der Name. Die Union-Theater wurden die Flaggschiffe der Ufa-Kinokette.

Literatur: Bock, Hans-Michael: Die Veredelung des Kintopp. In: Das Ufa-Buch. Frankfurt: Zweitausendeins 1992, S. 60-63.


Artikel zuletzt geändert am 27.07.2011


Verfasser: JCH


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