Lexikon der Filmbegriffe

Drama

von griechdrama = Handlung

In der Theaterwissenschaft ist Drama ein Überbegriff für alle dramatischen Gattungen und Genres, die Tragödie und die Komödie übergreifend ebenso wie analytische und synthetische Formen; davon abweichend wird der Begriff in der Filmkritik als Sammelbezeichnung für Filme verwendet, die zwischen Melo- und Sozialdrama angesiedelt sind. Die somit wohl unspezifischste Genrebezeichnung des Films umfasst neben anderen Subgenres das romantische Drama, den period film, zahlreiche historische Melodramen, viele Gerichtsfilme, manche Abenteuerdramen und ähnliches mehr. Im Zentrum des Dramas stehen Figuren, die eine Lebenskrise durchmachen, vor eine lebensverändernde Entscheidung gestellt sind, ihr Leben auf Grund von Verlust, Verfolgung, zufälligem Glück oder ähnlichem neu formieren müssen. Weil es hier immer um Wertorientierungen geht, auf die sich die Hoffnungen und Wünsche, aber auch die Ängste der Akteure richten und in deren Bezugsfeld das Alltagsleben erfahrbar wird, sind die meisten Dramen nicht individuellen Charakteren, sondern sozialen Aggregationen wie Familien, Nachbarschaften, Dorfgemeinschaften, religiösen Gemeinschaften und ähnlichem gewidmet. Ein Film wie Ordinary People (USA 1980, Robert Redford) erzählt ebenso wie La Stanza del Figlio (Italien 2001, Nanni Moretti) vom Verlust des Sohnes und den Strategien, wie eine Familie damit umgeht. Viele Dramen treiben die Frage nach den Werten des Lebens und den Emotionen, die alltäglich Handelnde am tiefsten betreffen, nach jenen Momenten, an denen sie am verletzlichsten sind. Darum auch haben Dramen oft tragische Züge, erzählen von Schmerzen, psychischen Vernarbungen, fundamentalen Verlusten. Die Anlässe können sowohl Scheidungen sein (wie in An Unmarried Woman, USA 1978, Paul Mazursky, oder in Kramer versus Kramer, USA 1979, Robert Benton) wie Traumatisierungen (wie jüngst in The Secret Life of Words, Spanien 2005, Isabel Coixet), Verlust von Lebenspartnern (durch Tod wie inAlice Doesn't Live Here Anymore, USA 1974, Martin Scorsese, durch die Alzheimer-Erkrankung wie in Away From Her, Kanada 2006, Sarah Polley) oder tödliche Krankheit (wie in Marvin's Room, USA 1996, Jerry Zaks). Die Grenzen zum Melodram sind fließend. Dramen galten immer als besondere Herausforderungen für Schauspieler – und dass es noch in der Stummfilmzeit zu einer Annäherung des Schauspielens an reales Ausdrucksverhalten gegeben hat, dass mit den jungen Schauspielern des Method Acting neue Impulse des schauspielerischen Ausdrucksgebaren jenseits einer pantomimischen Darstellung (und hin zu der Suche nach intensiven und letztlich kaum noch kontrollierten Gesten) gegeben hat, zeigt, wie wichtig das Drama als Feld des Schauspielerischen gewesen und geblieben ist.

Referenzen:

Alltagsbeobachtung

analytisches Drama

comedy drama

crime drama

doctrine classique

dramality

Dramödie

Dramolett

Dreiakter / Dreiaktstruktur

Ehedrama

Familiendrama

Kriegsdrama

Mutterdrama

period film

social comedy

Stationendrama


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: AS


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