Lexikon der Filmbegriffe

dream mode

Dream mode dient als Kennzeichnung für Filme, die der inneren Logik von Träumen zu folgen scheinen. Insbesondere die Abwesenheit einer (narrativ-zeitlichen) Kontinuität der Bild- und Ereignisfolge sowie die unlogische, unzusammenhängende Art, in der die Bilder miteinander verknüpft sind, sind als Hinweise darauf genommen worden, dass der Film der Logik der Träume verwandt sei. Als prägnante Beispiele werden oft Filme Maya Derens genannt (Meshes in the Afternoon, 1945, oder At Land, 1944). Für den surrealistischen Film war die morphologische Nähe des Films zum Traum sogar programmatischer Ausgangspunkt (Un Chien andalou, 1928, L‘Age d‘Or, 1930, beide von Luis Buňuel).

Die Traum-Film-Korrespondenzen sind in der theoretischen Reflexion des Films von Beginn an formuliert worden. In der semiotischen Theorie des Films hat Susanne K. Langer den dream mode 1953 als allgemeine Charakteristik des Films herauszustellen versucht – Kunst sei ein Modus des Erscheinens, und die virtuelle Präsenz des Filmbildes entspreche der des Traums. Edgar Morins Cinéma ou l‘Homme imaginaire aus dem Jahre 1956 geht davon aus, dass der Film nach dem Modell des menschlichen Seelenlebens aufgebaut und dass Filmwahrnehmung eine Vermittlung zwischen Innerem und Äußerem sei, ein komplexer Prozess von Projektion, Identifikation und Partizipation. Morins Buch bildet den zweiten modernen Text, der einen Diskurs über diese These ausgelöst hat, der bis heute andauert und der das Imaginäre des Kinos an Strukturen des Begehrens koppelt (Baudry) oder aber die unterschiedliche Bewusstheit der Prozesse des Träumens und der Kinowahrnehmung zur Unterscheidung beider modelliert (Metz). 

Literatur: Susanne K. Langer: Feeling and form. New York: Scribner 1953. – Irmela Schneider: Filmwahrnehmung und Traum. Ein theoriegeschichtlicher Streifzug. In: Träumungen. Traumerzählung in Film und Literatur. Hrsg. v. Bernard Dieterle. St. Augustin: Gardez! 1998, S. 23-52.
 


Artikel zuletzt geändert am 03.08.2011


Verfasser: HJW


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