Lexikon der Filmbegriffe

dream screen

Zwar hatte schon Freud mehrfach mit optischen Metaphern versucht, die besonderen Prozesse der Visualisierung resp. des Bildverstehens zu durchdringen. Baudry hatte den Grund für die Traumhaftigkeit des Films später dann in mehrere Schritte zerlegt – zunächst Traumvorstellungen auf dem Wege einer topikalen Regression zu Filmbildern transformiert; gestützt durch Phantasie oder Lust werden in einem zweiten Schritt die Bilder als Sinneswahrnehmung in den Rang bewussten Geschehens gehoben. Der Film ist dann sozusagen eine symbolische Leinwand, auf der Traumvorstellungen als Bilder erscheinen. Der Psychoanalytiker Bertram Lewin ging in einer ganzen Reihe von Beiträgen noch weiter: Er nahm an, dass der Traum selbst auf einer imaginären, dem Traum aber wesenhaft zugehörigen „Leinwand“ erscheine. Der Traumhintergrund ist die von ihm so genannte dream screen, ein leerer Schirm, der selbst (ähnlich wie die Kino-Leinwand) hinter den Bildern vom Subjekt nicht wahrgenommen wird. 

Literatur: Eberwein, Robert T. : Film and the dream screen: A sleep and a forgetting. Princeton, N.J.: Princeton University Press 1984. – Lewin, Bertram (1953) Reconsideration of the dream screen. In: Psychoanalytic Quarterly 22, S. 174-199. 


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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