Lexikon der Filmbegriffe

Derivat

von lat.: derivatio = Ableitung; engl.: derivative, derivative work, derivative music

(1)   Dass Filmmusiken nicht immer Originalkompositionen sind, sondern oft aus Variationen, Überarbeitungen, Modernisierungen, Neufassungen schon vorhandener Musiken bestehen, ist altbekannt. Man nennt derartige Stücke Derivate. Manchmal sind die Ableitungen höchst komplex und eröffnen eine zweite, nur Kennern der Musik zugängliche Bedeutungsebene (wie die Musiken Michael Nymans zu den Filmen Greenaways manchmal eine höchst raffinierte Doppelung und Modifikation der Mozart-Originale vorlegen). Manchmal lösen Derivatierungen Musiken aus ihrer Bindung in den Film, sei es als auskomponierte Orchesterfassung,  als eigene Soundtrack-Fassung oder als Hommage an einen Komponisten (wie John Zorns 1984-85 entstandenes Projekt Big Gundown: Music of Ennio Morricone). Zu den bekanntesten Derivaten klassischer Musik gehören die von Wendy Carlos betreute Adaptation klassischer Stücke von Rossini, Beethoven, Elgar mit einem Moog-Synthesizer (für Kubricks Film A Clockwork Orange, 1971).

(2)   Zwar ist der Begriff der Hybridisierung zu einer der gebräuchlichsten Bezeichnungen für kulturelle Vermischungen geworden, doch spricht man auch bei Stil-Ableitungen (wie bei der Weltmusik und deren Pop-Derivat World Beat) von Derivaten.


Artikel zuletzt geändert am 22.08.2011


Verfasser: JH


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