Lexikon der Filmbegriffe

Komplikation

(1) In der Akteinteilung des Dramas in Gustav Freytags Schema formen fünf Schritte den Gang der Erzählung:

Exposition (auch: Einleitung, Protase): die Figuren werden eingeführt, der Konflikt angekündigt;
Komplikation (auch: Steigerung, Epitase): die Situation verschärft sich; es treten erregende Momente auf (Katastase)
Peripetie: die Glücksumstände des Helden verkehren sich, der Höhepunkt (auch: Klimax) wird erreicht;
Retardation (auch: Verlangsamung): in Freytags Schma beginnt nun der „fallende Teil“ der Handlung; eine ganze Reihe von aufschiebenden, hinhaltenden oder verlangsamenden Ereignissen schieben das Ende hinaus, was zur höchst gespannten Erwartung des Finales beiträgt;
Katastrophe (auch: Lysism Dénouement): es kommt zur Katastrophe (in der Tragödie) oder zur Lösung aller Konflikte (in der Komödie).

(2) In der Texttheorie der Alltagserzählungen gehört die Komplikation zu den Strategien der „narrativen Themenentfaltung“ (nach Labov, Brinker und anderen) und schildert ein „ungewöhnliches Ereignis“, das in sich problematisch oder widersprüchlich ist. Zur Erzählung gehören notwendig die Resolution, in der die Komplikation wir aufgelöst oder als Katastrophe beendet wird, und die Evaluation, die Stellungnahme des Erzählers; gerade letzteres ist im Alltagserzählen meist explizit ausgearbeitet (als „Coda“ oder „Moralsatz“) und weist auf die alltagsweltliche Motivation des Erzählens zurück, im Erzählen das Ungewöhnliche und das moralisch Problematische zu thematisieren. Notwendig ergänzt wird die Darstellung des Geschehens durch die Orientierung – gemeint sind Angaben zur Zeit und zum Ort der Handlung, zu den handelnden Personen /Figuren etc.

Literatur: Brinker, Klaus: Textlinguistik. Heidelberg: Groos 1992. – Labov, William / Waletzky, Joshua: Erzählanalyse. Mündliche Versionen persönlicher Erfahrung. In: Literaturwissenschaft und Linguistik. 2. Hrsg. v. Jens Ihwe. Frankfurt/M.: Fischer-Athenäum 1973, S. 78-126.

(3) In der Handlungstheorie spricht man von einer Komplikation, wenn Umstände auftreten, die die Durchführung der ursprünglich geplanten Handlung unmöglich macht und darum weitere, die Komplikation umgehende oder beseitigende Handlungen erforderlich macht. Im Film spielen Komplikationen vor allem im Caper-Film eine Rolle. Das minutiös geplante Verbrechen kann fast nie ungestört durchgeführt werden, immer treten Behinderungen auf.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: W CA JH


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