Lexikon der Filmbegriffe

Kontrafaktur

von lat.: contra = gegen und facere = machen; dt. manchmal: Gegenwerk

Begriff aus der Musik- und Literaturtheorie, der Verfahren der Übernahme erkennbarer Struktur- und Gestaltungsmerkmale einer Vorlage zur Realisierung einer eigenständigen, von der Vorlage unabhängigen, oft entgegengesetzten Kommunikationsleistung. Kontrafakturen in Reinform werden im Film als satirische und parodistische Verfahren der Umwandlung propagandistischer Filme oder Filmstücke in einen ihnen erst im Zieltext zukommenden zweiten Interpretationshorizont verwendet, der verborgene Bedeutungsdimensionen des Ausgangsmaterials zu Tage fördert. Der – selten gebrauchte – Begriff wird aber auch auf komische Kontrafakturen ernster Stoffe oder Filme angewendet, die bereits in der Stummfilmzeit entstanden. Beispiele sind Three Ages (USA 1923, Edward F. Cline, Buster Keaton), der die Erzählstruktur von David W. Griffiths Intolerance (USA 1916) parodierte, oder Chaplins Carmen (USA 1916), der sich über Cecil B. deMilles Fassung des Stoffes (Carmen, USA 1915) lustig machte. – Das Verfahren wird heute meist der Parodie zu- und untergeordnet.


Artikel zuletzt geändert am 22.08.2011


Verfasser: HJW


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