Lexikon der Filmbegriffe

Theatercoup

manchmal auch: Theaterstreich; ursprüngl. frz.: coup de théâtre

Seit dem 18. Jahrhundert verbreitete, heute ungebräuchliche Bezeichnung für überraschende Wendungen, die zur Lösung des Konflikts führen, vor allem aber für interessante und überraschende Momente eines Schauspiels, die jedoch nicht mit der Handlung verbunden sind und als Attraktionsmomente für sich stehen. Zu ersterem Typus gehört der deus ex machina oder der überraschende Auftritt von verstorben Geglaubten, durch den sich der Konflikt erledigt; ein komplexeres Beispiel findet sich in dem englischen Bisexualitätsdrama Torch Song Trilogy (USA 1988, Paul Bogart), in dem der Liebhaber des Protagonisten von einer schwulenfeindlichen Bande zu Tode geprügelt wird, wodurch sich das so unauflöslich scheinende Dreiecksverhältnis auflöst; eine ganze Kette von Theatercoups führt in Ernst Lubitschs Komödie To Be or not to Be (USA 1942) zum Finale – in einer nicht enden wollenden Pendelbewegung zwischen der Realität des besetzten Warschaus und der Inszenierung einer falschen Realität. Beispiele für den zweiten Typus finden sich in der Filmgeschichte in großer Zahl. Insbesondere Slapstickiaden und musikalische Einlagen (wie die zahlreichen Musiknummern in den Marx-Brothers-Filmen) rechnen zu den Szenenformen, die den Gang der Erzählung zeitweilig aussetzen und wie ein „Stück im Stück“ eigene Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dabei oft den Repräsentationsmodus der eigentlichen Geschichte aufgebend.

Literatur: Rizzoli, Renato: Representation and ideology in Jacobean drama. The politics of the Coup de théâtre. Lewiston, NY [...]: Edwin Mellen Press 1999.

Referenzen:

Einlage


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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