Lexikon der Filmbegriffe

Mediensatire

engl.: media satire

Anknüpfend an die Traditionen der literarischen Satire sind Medien (insbesondere Presse, Radio und Fernsehen) ein Thema der Geschichten, die im Kino erzählt werden, fast von Beginn an, wenngleich die satirisch verzerrte und überhöhte Darstellung von Medien als Orten sozialer Praxis, als gesellschaftlicher Einflusskräfte oder als Bewusstseins-Verbildner seit den 1980ern deutlich zunimmt, auf die sich verändernde Rolle der Medien in der Realität reagierend.
Eine erste Gruppe von Filmen erzählt von der Arbeit in Medienunternehmen (wie Zeitungsredaktionen oder Fernsehanstalten) und von den Persönlichkeiten der Beteiligten, von ihrer Hysterie, ihre Arroganz und ihrem Zynismus, von ihrem Machtwollen und der damit verbundenen Intriganz (als Beispiele: His Girl Friday, USA 1940, Howard Hawks; Network, USA 1976, Sidney Lumet). Eine zweite Variante der Mediensatire widmet sich der Welt der Zuschauer und ihrer Verführtheit durch Medieninhalte (wie etwa in The Truman Show, USA 1998, Peter Weir, oder Edtv, USA 1999, Ron Howard), wobei selbst Medienakteure der wirklichkeitsbildenden Kraft von Medien aufsitzen. Ein dritter Typus neueren Datums thematisiert den Realitätsverlust, den Medien (Fernsehen, Videospiele u.ä.) für ihre Betreiber bedeuten können (wie in David Cronenbergs Filmen Videodrome, USA 1983,und eXistenZ, USA 1999). Und schließlich geht es manchmal darum, mithilfe der Medien Realitäten gezielt zu erzeugen (wie etwa in Wag the Dog, USA 1997, Barry Levinson, in dem ein medialer Krieg erzeugt wird, um das Image eines Präsidenten zu manipulieren).

Literatur: Arva, Eugene: Life as Show Time. Aesthetic Images and Ideological Spectacles. In: Film and Philosophy, 7, 2003, pp. 110-125. – Bishop, Ellen: Film frames. Cinematic literacy and satiric violence in contemporary movies. In: Post Script: Essays in Film and the Humanities 16,2, 1997, S. 18-34. – Kokonis, Michael: Postmodernism, Hyperreality and the Hegemony of Spectacle in New Hollywood. The case of The Truman Show. In: Gramma 7, 1999, pp. 41-72.


Artikel zuletzt geändert am 22.08.2011


Verfasser: AS


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