Lexikon der Filmbegriffe

thematische Progression

Das Modell der thematischen Progression entstammt der Grammatiktheorie des Prager Funktionalismus. Man fasst darunter Fälle, in denen ein Diskursreferent zum Gegenstand einer unmittelbar nachfolgenden Aussage wird (Thema-Rhema): Das Rhema des vorangehenden Satzes wird zum Thema des Folgesatzes. Beim Topikwechsel (= Themenwechsel) wird diese Kette von thematischen Wiederaufnahmen unterbrochen, ein zweiter Referent taucht auf. Gelegentlich wird sogar das Gesamt der thematischen Relationen im Text als „thematische Progression“ bezeichnet.
Das Modell ist als Vorstellung einer progressiven Entfaltung von Themen im Text verallgemeinerbar. Ein Thema ist nicht in ganzer Fülle sofort exponiert, sondern bedarf einer sequentiellen Folge von Teilinformationen, die einen Textreferenten immer nur partiell vorstellen. Im Krimi ist manchmal die endgültige Entfaltung eines Themas sogar textfundierend (wenn es etwa um Wirtschaftsverbrechen oder Umweltskandale geht, deren ganzes Ausmaß erst im Verlauf der Geschichte erkennbar wird). Doch auch Szenen, die in Form deskriptiver Bildfolgen z.B. Handlungsorte (wie einen Marktplatz, eine Demonstration, ein Kloster u.ä.) vorstellen, entfalten ihr Thema in einer Sequenz von Einzelbildern (= einzelnen Prädikationen), gehören so in den Formenkreis der thematischen Progression.

Literatur: Eroms, Hans-Werner: Funktionale Satzperspektive. Tübingen: Niemeyer 1986. – Steube, Anita: Information structure. Theoretical and empirical aspects. Berlin [...]: de Gruyter 2004.


Artikel zuletzt geändert am 22.08.2011


Verfasser: HJW


Zurück