Lexikon der Filmbegriffe

accented cinema

dt. etwa: akzentuierendes Kino

Unter accented cinema versteht man Filme, die unter der Bedingung und dem Eindruck von Vertreibung, Exil, Migration, Leben in der Diaspora entstanden sind, diese Bedingungen reflektieren und nach ästhetischen Ausdrucksmöglichkeiten suchen, die die Besonderheit des Lebens und Arbeitens in der nichtheimischen Umgebung wiedergeben können. Es ist vor allem das Kino von Filmemachern, die selbst in Ländern arbeiten (müssen), die nicht ihre Heimatländer sind. Hamid Naficy, der die Bezeichnung vorschlug, unterscheidet zwischen Filmen, die Exil, Diaspora oder eine postkolonial-ethnische Fremde thematisieren oder ihr entstammen, abhängig davon, in welcher sozialen Identität die Filmemacher selbst stehen, ob sie ein doppeltes Bewusstsein ihrer sozialen Zugehörigkeiten haben oder nicht (das unterscheidet sie von Regisseuren, die freiwillig in anderen Ländern arbeiten). Die Filme des accented cinema sind oft mehrsprachig; formal mischen sie ästhetisch-stilistische Formate ihrer Heimatkulturen und der Länder, in denen sie leben, weichen darum von den Standards der Umgebung (insbesondere vom Erzählen im Stil Hollywoods) ab – hinsichtlich der narrativen Strukturen, der visuellen Stilistik, der Figurenzeichnung, der Themen usw. Ob das accented cinema immer dem Kunstkino zuzurechnen ist und ob es fast immer kollektive Produktionsmodelle umsetzt, wie Naficy behauptet, darf allerdings bezweifelt werden.

Literatur: Ezra, Elizabeth (ed.): Transnational cinema. The film reader. London [...]: Routledge 2006. – Naficy, Hamid: An accented cinema. Exilic and diasporic filmmaking. Princeton [...]: Princeton University Press 2001. – Tarr, Carrie: French cinema and Post-colonial minorities. In: Alec G. Hargreaves / Mark McKinney (eds): Post-Colonial Cultures in France. London: Routledge 1997, S. 9-83.

Referenzen:

Diasporisches Kino


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HHM


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