Lexikon der Filmbegriffe

Volksschauspieler

Der in Kritik und Umgangssprache verbreitete Begriff Volksschauspieler bezeichnet einen Bühnen-, Film- oder Fernseh-Schauspieler, der meist durch die Darstellung eines bestimmten Rollentypus sich beim Publikum einer großen und dauerhaften Beliebtheit erfreut. Meist verkörpern sie lokale Sozialtypen (wie die bis heute stabilen Assoziationen Wien / Hans Moser, München / Beppo Brehm, Köln / Willy Millowitsch oder Hamburg / Henry Vahl zeigen), sprechen Dialekt (oder zumindest mit dialektaler Einfärbung), sind auf ein oft recht schmales Rollenfach festgelegt. Sie gehören zu den Ausprägungen eines populären Theaters ebenso wie eines regionale Spezifik betonenden Trivialkinos und -fernsehens. Die Gattung der Volksschauspieler verliert seit den 1980ern an Bedeutung, was mit der sozialen Binnendifferenzierung der (bundesdeutschen) Gesellschaft und der sich verändernden medialen Praktiken von Zuschauern zusammenhängt. An ihre Stelle treten „volkstümliche Schauspieler“, die heute auf der Bühne und vor allem auch im Fernsehen in zahllosen Regionalität betonenden Produktionen auftreten und deren Lokalkolorit signalisieren; ein Extremfall ist das Schauspielerduo Jan Fedder und Peter Heinrich Brix, die das fiktive Dorf Büttenwarder in der Serie Neues aus Büttenwarder (1997ff) weit über Norddeutschland hinaus bekannt gemacht haben. Gelegentlich sind es aber auch einzelne, die als lokale celebrities eng mit ihren Regionen assoziiert werden (wie der „XXL-Ostfriese“ Tamme Hanken).
Volksschauspieler finden sich aber nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in anderen Nationen. Man denke an Totó, dessen Komödien neapolitanische Kultur repräsentierten, oder Raimu, der die südfranzösische Lebensart im französischen Kino vertrat.


Artikel zuletzt geändert am 22.08.2011


Verfasser: KB


Zurück