Lexikon der Filmbegriffe

want / need

Das Doppelkonzept von want und need entstammt der Drehbuchliteratur. Jeder Figur des Dramas muss ein Ziel (goal ) zugeordnet werden. Zum einen handelt es sich um Ziele, die der Figur selbst bewusst sind und die er durch sein Handeln zu erreichen sucht; man spricht hier vom Feld der wants. Allerdings wird zumindest den Hauptfiguren im Lauf der Handlung klar, dass sie weitere, ihnen bis dahin unbekannte oder unbewusste Bedürfnisse, Sehnsüchte oder Ziele haben (die needs), deren Erreichung mindestens so wichtig ist wie die der offenen wants. Wenn es gelingt, die beiden Ziele miteinander zu verbinden, kann sich die Figur weiterentwickeln, sie ist am Ende der Geschichte reifer geworden. Oft ist die Erzählung so gebaut, dass dem Zuschauer sehr viel früher als der Figur klar ist, welche needs auch im Spiel sind, so dass das Publikum darauf hoffen kann, dass die Figur eine Einsicht in ihre eigentlichen Bedürfnisse gewinnt. Wenn also die Hauptfigur in A Good Year (USA/Großbritannien 2006, Ridley Scott) eigentlich nur nach Frankreich fährt, um das geerbte Weingut seines Onkels zu verkaufen, so entdeckt sie während des Aufenthalts ganz andere Bedürfnisse in sich, die zum Abbruch seines bisherigen Lebens führt. Nicht immer wird die Entdeckung der needs in der Geschichte auch belohnt; auch in dem so ähnlich beginnenden Local Hero (Großbritannien 1983, Frederick Forsyth) weiß der Held am Ende, dass seine eigentlichen Sehnsüchte in seinem Leben als Manager in Houston, Texas, nicht erfüllt werden können – allerdings kennt er diese so neue Seite an sich erst durch die Reise nach Schottland; das Ende bleibt offen, auch wenn angedeutet ist, dass der Held sein Leben neu konfigurieren wird.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: CA


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