Lexikon der Filmbegriffe

Bordkino

Erste Versuche, das Leben an Bord der Passagierschiffe auch durch Kinoveranstaltungen aufzulockern, gab es bereits in den 1910er Jahren. Die mögliche Feuergefahr führte 1921 zu einem Abkommen zwischen den transatlantischen Reedereien, von der Einrichtung von Bordkinos abzusehen. Die HAPAG richtete trotzdem im gleichen Jahr den Betrieb von Kinos auf, wobei die Filme nur während der Liegezeiten gezeigt wurden. 1924 wurden alle Schiffe der HAPAG mit entsprechenden Kinosälen ausgestattet, die in Kooperation mit der Ufa in allen Passagierklassen betrieben wurden. Gezeigt wurde deutsche und amerikanische Produktionen sowie Reisefilme, die die HAPAG eigens für die Auswertung auf ihren Schiffen produzierte. Der Besuch der Vorstellungen war im Fahrpreis inbegriffen. Die Umstellung auf Tonfilm erfolgte bereits anfangs der 1930er Jahre, wobei an Dialogstellen Schrifttafeln (als eine Art von „Filmzwischentitelung“) die Dialoge auch in fremden Sprachen zugänglich machten. Die Praxis der Kinovorführung an Bord hat sich vor allem auf den transatlantischen Linien und im Kreuzfahrtbereich bis heute erhalten.

Literatur: Bourry, Thomas: Medien auf Reisen. Medienformationen für das Reisen mit Eisenbahn, Schiff und Flugzeug. Diss., Universität zu Köln 2008, S. 121-127. – Nyenhuis, Martina: Inflight Entertainment. Vom Bordkino zur fliegenden Videothek. In: Grenzüberschreitungen. Eine Reise durch die globale Filmlandschaft. Hrsg. v. Erwin Reiss. Berlin: Spiess 1992, S. 395-407. – Töteberg, Michael: Exotik und Tourismus: Die Reisefilme der Hapag. In: Hamburger Flimmern. Die Zeitschrift des Film- und Fernsehmuseums Hamburg, 5, 1999, S. 2-6.


Artikel zuletzt geändert am 22.08.2011


Verfasser: AS


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