Lexikon der Filmbegriffe

Geisterbild (3)

oft auch: Geisterfotografie; engl.: spirit photography

Geisterfotografien behaupten, mit fotografischen Mitteln Bilder des „Geistkörpers“ von Verstorbenen herstellen zu können. In eine ähnliche Richtung zielen photographische Aufnahmen der Energiefelder (der Aura) von Verstorbenen oder der astralen Ausdehnung realer Personen, aber auch von gedanklichen Projektionen, die unmittelbar auf Film belichtet werden können, und supranormale visuelle Manifestationen (wie Geister). Geisterbilder wurden in den 1860ern in spiritistischen Kreisen aufgenommen. Obwohl schnell nachgewiesen werden konnte, dass die Bilder als Doppelbelichtungen entstanden, hielt sich die Praxis der Geisterfotografie bis in die 1920er, findet sich sogar heute noch. Da es um den Nachweis der Realität des Suprarealen geht, um die visuelle Evidenz des Geistigen, spielen Fotografen natürlich im Geister- und Horrorfilm eine wichtige Rolle, sichert ihre Apparatur doch den Material gewordenen Existenznachweis der Geistwesen, die offensichtlich nicht subjektiver Bildproduktion entstammen.

Literatur: Arnold-de-Simine, Silke: Lichtspiel im Königreich der Schatten: Geisterphotographie und Vampirfilm. In: Begemann, C. / Herrmann, B. / Neumeyer, H. (Hrsg.) Dracula Unbound: Kulturwissenschaftliche Lektüren des Vampirs. Freiburg: Rombach 2008, S. 241-261. – Birke, Dorothee / Butter, Michael: Geister sehen. Fotografie im Horrorfilm. In: Visuelle Evidenz. Fotografie im Reflex von Literatur und Film. Hrsg. v. Sabina Becker u. Barbara Korte. Berlin/New York: de Gruyter 2011, S. 212-230. – Harvey, John: Photography and spirit. London: Reaktion 2007.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KB


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