Lexikon der Filmbegriffe

lazarenischer Film

Jean Cayrol verwendete den Begriff der „lazarenischen Literatur“ als Bezeichnung für die künstlerische Verarbeitung der Erfahrung des Konzentrationslagers, wie sie sich nicht nur in seinen literarischen Arbeiten (oder auch in den Romanen Horst Bieneks und in seinem Film Die Zelle, BRD 1971) manifestierte, sondern auch in Filmen wie Nuit et Brouillard (Frankreich 1956, Alain Resnais, Text: Cayrol). Der Begriff deutet auf die – oft autobiografisch motivierte – Verarbeitung von Erfahrungen des Gefangenseins, der Folter, der Umsiedlung, des Genozids und anderer Extremformen politischer, nationalistischer und rassistischer Gewalt. Der Begriff deutet auf die biblische Figur des Lazarus zurück. Die Vielfalt der Formen, in denen im Film Leidenserfahrungen der genannten Art verarbeitet worden ist, ist unüberschaubar, so dass das Prädikat „lazarenisch“ als allegorischer Verweis höchstens auf einzelne Beispiele angewendet werden kann (wie Johnny Got His Gun, USA 1971, Dalton Trumbo, oder Death and Maiden, Großbritannien/USA 1994, Roman Polanski).

Literatur: Fritz, Walter Helmut: Jean Cayrols "Lazarenische" Prosa. Wiesbaden: Steiner in Komm. 1966 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz / Klasse der Literatur. 1968,2).


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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