Lexikon der Filmbegriffe

living dolls

dt. auch: lebende Puppen; engl. gelegentlich: human barbies

Die pantomimische Praxis der living dolls (etwa: „lebende Schaufensterpuppen“; manchmal auch: living mannequins), bei der Schauspieler auf Straßenfesten, Eröffnungsfeiern, Jubiläumsfeiern, Werbe- und Marketingkampagnen und ähnlichem sich als Puppen gerieren, unbeweglich und unnahbar sind, mit auffallenden Kleidern ausgestattet, parodiert den expositorischen Modus der (Schaufenster-)Puppen; oft minimale Bewegungen irritieren den Eindruck der Puppenhaftigkeit, stellen so ein reflexives Verhältnis zum Betrachter her. Ruckartige Bewegungen vor allem der Arme und des Kopfes überführen die Figur von einer Pose in die nächste. Aus fließender Bewegung wird eine Folge von Stillstellungen der Bewegung. Aus lebendiger Kontinuität wird so ein Artefakt aus Stillständen. Kurioserweise entstammt die Praxis der living dolls der Praxis der Inszenierung des Raums im Schaufenster und wird bis heute überaus erfolgreich in der Werbeindustrie eingesetzt (v.a. auf Messen und ähnlichen Events). Im Film finden sich Anverwandlungen dieses Schauspiel-Stils in mehreren Genres (in übertreibender und darum lächerlich wirkender Form z.B. im Slapstick; als Hinweis auf eine fast starre Körperkontrolle der Figur aber auch in Melodramen wie L'Année dernière à Marienbad, Frankreich 1961, Alain Resnais); gemein ist ihnen die Anmutung großer Artifizialität und einer bewusst hergestellten Differenz zwischen Schauspiel und alltäglichem Verhalten.

Literatur: Schneider, Sara K.: Vital Mummies. Performance Design for the Show-Window Mannequin. New Haven, Conn. [...]: Yale University Press 1995.


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


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