Lexikon der Filmbegriffe

Swimming-Pools im Film

Objekte spielen nicht in allen ihren filmischen Darstellungen auch eine handlungsfunktionelle Rolle. Wie alle Objekte gehören auch Swimming-Pools zur diegetischen Alltagswelt der Figuren und spielen darin alltagspraktische Rollen, die denen realer Objekte nachgebildet sind – angefangen allein bei der Tatsache, dass sie den Wohlstand der Besitzenden anzeigen, aber auch als Indikatoren eines hedonistischen Lifestyles wie in der TV-Serie Miami Vice, USA 1984-90. In allen diesen Fällen spielen sie in der Filmhandlung keine signifikante Rolle. Die meisten Film-Swimming-Pools sind nicht weiter auffallender Bestandteil der filmisch-diegetischen Handlungsumgebung.
Sie können aber auch in verschiedener Art und Weise semantisch aufgeladen werden, sei es

– als Ort des Erotischen (wie in La Piscine / Der Swimmingpool, Frankreich 1969, Jacques Deray, oder in The Philadelphia Story / Philadelphia Story -Die Nacht vor der Hochzeit, USA 1940, George Cukor, sowie in zahlreichen Pornofilmen)
– oder als Ort, an oder in dem eine Figur den Tod findet (wie in Billy Wilders Anfangssequenz in Sunset Boulevard / Boulevard der Dämmerung, USA 1950) oder Selbstmord verübt wie in The Comedians / Die Stunde der Komödianten, USA/Frankreich 1967, Peter Glenville; nur vorgetäuscht in Harold and Maude, USA 1971, Hal Ashby);
– sie können im Verlauf der Handlung de- und refunktionalisiert werden (wie in Chapeau Claque, BRD 1974, Ulrich Schamoni), dabei zum Ort einer zentralen Begegnung werden (wie in A Good Year / Ein gutes Jahr, USA 2006, Ridley Scott), vielleicht sogar zum symbolischen Ort der Ausagierung einer Figurenbeziehung (wie in Swimming Pool, Frankreich 2003, François Ozon).
– In die Nähe der Swimming-Pools gehören öffentliche Schwimmbecken, die dann z.B. zu Orten sportlicher Auseinandersetzungen oder von Wasserballetten werden können (wie in den verschiedenen Esther-Williams-Musicals oder der schwedischen Komödie Allt flyter / Männer im Wasser, 2008, Måns Herngren).

Es sind mehrere Tausend Filme, in denen Swimming-Pools zum Environment der Handlung gehören; aber nur in einem Bruchteil ist der Pool auch handlungsfunktionell oder gar als topographisch-topologisches Motiv genutzt.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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