Lexikon der Filmbegriffe

Psychotherapie und Psychoanalyse

Motiv in Spiel- und Dokumentarfilmen. Anders als der Schauplatz der Psychiatrie, der oft in schreckensvollen Phantasien über zu Unrecht Eingelieferte zum Zug kommt (darin den Geschichten über Unschuldig-Beschuldigte verwandt) oder die Ausweglosigkeit jener zeigt, die in der Gesellschaft als „abnormal“ bezeichnet werden, kommen Psychotherapie und -analyse häufiger in mehr oder weniger gehaltvollen Gesellschaftskomödien und Satiren vor: Ironisches über shrinks und Seelenklempner ist (besonders in Filmen über urbane Zusammenhänge) an der Tagesordnung und kann zum wiederkehrenden Bestandteil ganzer Œvres werden. Daneben existieren freilich strapaziöse Psychothriller, aber auch hoch emotionale Beziehungsgeschichten oder Melodramen und schließlich Charakterstudien, die leisere, aber oft nachhaltigere und realistischere Töne anschlagen.
Darüber hinaus bestehen gerade zwischen Film und Freudscher Psychoanalyse – jetzt nicht als Motiv, sondern als theoretisches Modell verstanden – besondere Affinitäten: Sei es, dass (nicht nur im Umkreis des Feminismus) das Konzept des Voyeurismus auf das Kino an sich übertragen wird; sei es, dass psychoanalytische Lesarten in einer Form von Selbstreflexivität selber zum filmischen Gegenstand werden; sei es schließlich, dass ganze Motiv- oder Stoffreihen immer wiederkehren (der Traum als Offenbarung des Unterbewussten; der Ödipus-Mythos als Vorlage zahlloser Adaptionen und als strukturelles Interpretament zur Erfassung der Tiefenbedeutungen von Geschichten; Krankheiten und Perversionen, deren Ursache in traumatischen Kindheitserlebnissen gefunden wird; etc.).

Beispiele: Spellbound ( USA 1945, Alfred Hitchcock); A Woman Under the Influence ( USA 1974, John Cassavetes); Zelig (USA 1983, Woody Allen); Un divan à New York (USA [...] 1996, Chantal Akerman);  La Stanza del Figlio (Italien/Frankreich 2001, Nanni Moretti).

Bibliographie: Medienwissenschaft / Hamburg: Berichte und Papiere 1, 2003: Psychiatrie und psychische Krankheit als Themen des Films. URL: http://www1.uni-hamburg.de/Medien/berichte/arbeiten/0001_03.html.

Referenzen:

Psychiater im Film I: Typologie

Psychiater im Film II: Geschichte

Psychoanalyse (als Sujet des Films)


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: PB


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