Lexikon der Filmbegriffe

community singing


Community singing bezeichnet eine Praxis der frühen amerikanischen Kinovorführung, die ihren Höhepunkt während des ersten Weltkrieges erreichte. Abgeleitet von den illustrated songs handelt es sich beim Community Singing um von Musikern begleitete Liedtexte, die mittels Glasscheiben auf die Leinwand projiziert und vom Kinopublikum mitgesungen wurden.
Geprägt wurde der Begriff von George Beynon, einem langjährigen Kolumnisten der Filmfachzeitschrift Moving Picture World, in einem Artikel aus dem Jahre 1916, in dem er empfahl, die Entstehungsgeschichte des Liedes zu beschreiben und somit die pädagogische Funktion der Filmvorführung zu nutzen. Seine Intention war es, dem Kinopublikum patriotisches und traditionelles Liedgut näher zu bringen. Das community singing funktionierte somit als verbindende soziale Komponente, es erzeugte ein Gefühl von Einheit und zielte neben dem Unterhaltungswert auch darauf ab, das Publikum mit Hilfe von ideologisch klar definiertem Liedgut gegen einen gemeinsamen Feind zu vereinen. Auch wurde auf diese Art der Zuschauer intensiver in die Vorführung miteinbezogen, was zu einem persönlicheren und intensiveren Kinoerlebnis führen konnte.
Abgesehen von der politisch motivierten Funktion dieser Praxis wurde auch die ökonomische Seite bedient, insofern die im Kino mitgesungenen Lieder oft auch als Noten käuflich zu erwerben waren.

Literatur: Moving Picture World 37, 1918, S. 1427. – Windisch, Anna Katharina: Community Singing im amerikanischen Kino und Filmmusikquellen in der Fachzeitschrift „Moving Picture World“. In: Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung, 8, 2011.


Referenzen:

illustrated songs


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: AKW


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