Lexikon der Filmbegriffe

Hypochonder

Seit Molières Komödie Le Malade imaginaire (Der eingebildete Kranke, 1673; mehrfach verfilmt) ist die Figur des Hypochonders immer wieder als komische oder tragikomische Haupt- und vor allem als Nebenfigur inszeniert worden (schon zu Stummfilmzeiten wie in Durchlaucht Hypochonder, Deutschland 1918, Frederic Zelnik). In aller Regel ist der Zuschauer über das Eingebildetsein der Krankheit informiert, muss darum nicht in die angstbesetzte, möglicherweise paranoide Innenwelt einer hypochondrischen Selbstwahrnehmung eindringen. Insbesondere Woody Allen hat in seinen Filmen mehrfach den eingebildeten Kranken dargestellt (wie in Annie Hall, USA 1977, oder in Hannah and Her Sisters, USA 1986), bis zur Extremform des Krankheit-Suchenden. Hypochondrische Nebenfiguren treten dann häufiger auf, wenn die erzählte Welt als eine Realität erscheint, in der die Sehnsüchte der Menschen nicht erfüllt werden (wie z.B. in Le fabuleux Destin d'Amélie Poulain, Frankreich 2001, Jean‑Pierre Jeunet). In zahlreichen Arztfilmen treten Hypochonder als Patienten-Nebenfiguren auf.
Eine Variante des Hypochonders sind Figuren, die strikt suizidal konzipiert sind (man denke an Wilbur Wants to Kill Himself, Dänemark 2003, Lone Scherfig) oder die sich in einer morbiden Art selbst als suizidal inszenieren (wie in Harold and Maude, USA 1971, Hal Ashby).


Artikel zuletzt geändert am 14.09.2011


Verfasser: KB


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