Lexikon der Filmbegriffe

Mauerfallfilm

engl. manchmal: German postwall cinema

Eher sachliche Bezeichnung von Filmen fast ausschließlich deutscher Herkunft, die den Fall der Mauer resp. das Ende der DDR dramatisieren. Der kleine Motivkreis gewann nach einigen Vorformen (vor allem Go Trabi Go, 1991, Peter Timm) erst mit der Komödie Der Zimmerspringbrunnen (2001, Peter Timm) und dem TV-Film Berlin Is in Germany (2001, Hannes Stöhr) eine gewisse Kontur. Herr Lehmann (2003, Leander Haußmann) und der vielfach preisgekrönte  Goodbye, Lenin! (2003, Wolfgang Becker) etablierten die Wiedervereinigung dann als ebenso historische wie gegenwärtige Thematik. Die Komödie NVA (2005, Leander Haußmann) erzählt die Geschichte von DDR-Soldaten bis zum Mauerfall; die tragikomische Hauptfigur in Schultze gets the Blues (2004, Michael Schorr) macht eine Reise in die Cajun-Gebiete, einem musikalischen Sehnsuchtsimpuls nach seiner Frühverrentung folgend. Florian Henckel von Donnersmarcks oscarprämierter Film Das Leben der Anderen (2006) führte das Thema zu seinem größten Erfolg. Doch nicht nur im Kino wurde die Thematik behandelt, insbesondere das Fernsehen hat sich ihrer vielfach angenommen – in eigenständigen Filmen, aber auch als Thema in anderen Formaten wie TV-Krimis. Zunehmend mischten sich im Verlauf der zwanzig Jahre nach dem Mauerfall Probleme der DDR-Kritik mit den ungelösten Konflikten zwischen Ost und West, Tonlagen einer manchmal unreflektierten „Ostalgie“, der erzwungenen Anpassung der Lebensstile der DDR-Bewohner an die Bedingungen der BRD-Gesellschaft und – im Gegenzug dazu – einer Emanzipation der West-Auffassungen der Wiedervereinigung.

Literatur: Gremler, Claudia: ‘Nur mal gucken’: Der Mauerfall aus westlicher Perspektive in Romanverfilmungen des deutschen Unterhaltungskinos. In: Text & Kontext 28,2, 2006, pp. 116‑138. – Gremler, Claudia: ‘Somehow it Was Only Television’: West German Narratives of the Fall of the Wall in Popular Novels and Their Screen Adaptations. In: Processes of Transposition: German Literature and Film. Ed. by Christiane Schönfeld. Amsterdam: Rodopi 2007, pp. 269‑291. – Köppen, Manuel: Abschied ohne Ankunft. Der frühe Wendefilm. In: NachBilder der Wende. Hrsg. von Inge Stephan und Alexandra Tacke. Köln [...]: Böhlau 2008, pp. 174-197. – Lüdeker, Gerhard Jens / Orth, Dominik (Hrsg.): Nach‑Wende‑Narrationen. Das wiedervereinigte Deutschland im Spiegel von Literatur und Film. Göttingen: V & R unipress 2010.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: KB


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