Lexikon der Filmbegriffe

Stasi im Film


Die Arbeit der Stasi (Kurzform für das Ministerium für Staatssicherheit, das eine Geheimpolizei unterhielt) ist schon zu Zeiten der DDR mehrfach Gegenstand sowohl internationaler wie auch von bundesdeutschen Filmen gewesen (von The Spy Who Came in from the Cold, USA 1965, Martin Ritt, über  Torn Curtain, USA 1966, Alfred Hitchcock, bis zu Vaterland, BRD/Großbritannien 1986, Ken Loach). Nach dem Mauerfall 1989 wurde vor allem im BRD-Film eine oft scharfe Kritik an den Methoden der Stasi geübt. Neben Spielfilmen wie Die Stille nach dem Schuß (2000, Volker Schlöndorff), Wie Feuer und Flamme (2001, Connie Walther) und  Das Leben der Anderen (2006, Florian Henckel von Donnersmarck) waren es vor allem Dokumentarfilme, die eindringlich die Methoden der Aushorchung, der Überwachung und der Inhaftierung und der Einvernahme von Gefangenen aufdeckten. Schon Sybille Schönemanns Verriegelte Zeit (1990) suchte Zeitzeugen auf, kehrte in ihre Zellen ins Gefängnis zurück, schilderte schließlich die Ereignisse ihrer Ausweisung. Das Verfahren des Interviews blieb zentral. Noch Gesicht zur Wand (2010, Stefan Weinert) porträtiert fünf ehemalige Insassen der Stasigefängnisse. Ein dissidenter DDR-Schriftsteller und ein Stasi-Mitarbeiter – zudem bester Freund des anderen – treffen in Feindberührung (2010, Heike Bachelier) aufeinander, lesen sich Stücke aus den 16.000 Seiten Stasi-Dokumenten vor, versuchen, darüber zu sprechen. Der Film La Décomposition de l'Âme (Belgien/BRD 2003, Massimo Iannetta, Nina Toussaint) erzählt die Geschichte der Stasi, konzentriert sich dabei auf die Aussagen zweier Opfer. Einen anderen Weg geht Der schwarze Kasten (1992, Johann Feindt, Tamara Trampe), wenn er einen Oberstleutnant porträtiert, der „Operative Psychologie“ an der Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit lehrte; der Film versucht, ein Psychogramm des Protagonisten zu erstellen, seine sozialen Interessen zu ergründen sowie seiner Denkweise auf die Spur zu kommen. Aus Liebe zum Volk (2004, Audrey Maurion, Eyal Sivan) basiert auf einem Monolog, den ein Stasi-Mitarbeiter an seinem letzten Diensttag rückblickend auf Tonband gesprochen hatte; der Text wird von Axel Prahl nachgesprochen; der Text ist unterlegt mit Fundstücken aus dem Filmarchiv der Gauck‑Behörde, mit Ausschnitten aus Stasi‑Schulungsfilmen, Mitschnitten von Verhören und Spitzel‑Anrufen und umfangreichem Material aus privaten und öffentlichen Archiven. Auch Das Ministerium Für Staatssicherheit – Alltag einer Behörde (2002, Christian Klemke, Jan N. Lorenzen), auf Interviews mit neun höheren Mitarbeitern der Stasi basierend, sucht bei aller Distanz zu verstehen, wie die Behörde funktionierte und ihre Mitarbeiter moralisch entlastete.


Referenzen:

Mauerfallfilm


Artikel zuletzt geändert am 14.09.2011


Verfasser: HHM


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