Lexikon der Filmbegriffe

Aktantenmodell

In Auseinandersetzung mit der Morphologie einfacher narrativer Strukturen, wie sie von Vladimir Propp und anderen ausgearbeitet worden war, und unter Rückgriff auf Überlegungen der Valenzgrammatik Tesnières schlug Algirdas Julien Greimas 1966 ein von ihm sogenanntes Aktantenmodell zur Beschreibung elementarer Handlungsbeziehungen in narrativen Texten vor: Insgesamt sechs Aktanten, die jeweils eigene Handlungsrollen übernehmen, stehen zueinander in drei paarweisen Relationen: Ein Subjekt (1.1) begehrt ein Objekt (1.2); es wird dabei von einem Gegner bzw. Opponenten (2.3) behindert bzw. von einem Helfer oder auch Adjuvanten (2.4) unterstützt; schließlich erhält es das Objekt vom Sender (3.5) und wird damit selbst zum Empfänger oder gibt das Objekt an diesen weiter (3.6). Anwendungen des Modells auf den Film sind selten geblieben.

Literatur: Greimas, Algirdas Julien: Sémantique structurale. Paris: Larousse 1966, cap. 9. Dt. als: Strukturale Semantik. Braunschweig: Vieweg 1971. - Zur Diskussion: Kim, Taehwan: Vom Aktantenmodell zur Semiotik der Leidenschaften. Eine Studie zur narrativen Semiotik von Algirdas J. Greimas. Tübingen: Narr 2002. – Hurst, Mary Jane: A Case-Grammar Study of As I Lay Dying. In: Language and Style 20,1, 1987, S. 71-87. – Anwendungen auf filmische Erzähl-Strukturen: Burgoyne, Robert: The Interaction of Text and Deep Structures in the Production of Filmic Characters. In: Iris, 7, 1986, S. 69‑80. – Gardiès, André: L’espace au cinéma. Paris: Klincksieck 1993. – Krützen, Michaela: Ein Therapeut und Gentleman. In: Medienobservationen, 29.5.2009 (online).


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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