Lexikon der Filmbegriffe

Standbild

auch: Standkopierung; Stehbild, Stoppbild; engl.: freeze-frame; freeze; hold; gelegentlich auch (grammatikalisch falsch): freezed frame; frz.: arrêt-sur-image; gelegentlich dt. als Übersetzung: eingefroren, eingefrorenes Bild

Durch das „Einfrieren“ von Bildern wird der Bewegungsfluss des normalen Filmbildes kurzfristig angehalten. Technisch geschieht dieses durch die Vervielfachung eines einzelnen Phasenbildes im Kopierwerk.
Standbilder werden in einer ganzen Reihe von Funktionen angewendet: (1) Emphatisch wird die Bedeutung des Augenblicks erhöht und unterstrichen. So wird in Truffauts Jules et Jim (1961) in emotional bedeutsamen Momenten mehrfach das Bild angehalten. In Das Philadelphia Experiment (1993) ist ein Mord an Aufständischen als eine ganze Reihe von Standbildern realisiert, so dass man die sterbenden Körper sowohl in extremer Bewegung wie auch in deren Stillstellung als verwischte Schatten sieht. (2) Ein subjektiver Blick wird gekennzeichnet und die subjektive Bedeutung einer Szene unterstrichen. So wird in The Parallax View (1973) das Bild angehalten, als der Held überraschend den Mörder wiedersieht – das Bild wird wie ein Gedanken- oder Erinnerungsbild aus dem Geschehensfluss herausgehoben. (3) Das Standbild – oft verbunden mit dem Geräusch eines Fotoapparat-Verschlusses – wird als Foto eines Beobachters markiert, den man selbst oft nicht sehen muss. Insbesondere in Politfilmen markieren solche Bilder die Tatsache, dass die Presse das Geschehen an die Öffentlichkeit bringen wird. Beispiele finden sich in La Battaglia di Algieri (1965). (4) Gelegentlich überhöht das Ende von Filmen pathetisch oder melancholisch, was geschieht. Ridley Scotts Thelma and Louise (1991) friert das Schlussbild just in dem Moment ein, als der Wagen der beiden Frauen über die Klippe in den Grand Canyon rast. Eine ganze Reihe von Beispielen kennt das Kino der Antihelden, man denke an Bonnie and Clyde (1967) oder Butch Cassidy and the Sundance Kid (1968), der im Augenblick des Todes der Helden in ein Standbild übergeht. (5) Manchmal wird das Standbild ironisch oder auch reflexiv eingesetzt. In Capras It‘s a Wonderful Life (1947) wird das Bild angehalten, als eine himmlische Stimme dem Engel, der den Mann retten soll, den Charakter vorstellt. 

Literatur: Bellour, Raymond: The film stilled. In: Camera Obscura, 24, Sept. 1990, S. 98-123. – Bensmaia, Reda: From the photogram to the pictogram: on Chris Marker's La Jetee. In: Camera Obscura, 24, Sept. 1990, S. 138-161. – Mainord, Terry B.: The frozen gesture: an analysis of freeze-framing and slow motion in Sauve qui peut (La Vie). In: LAMP, 1984, S. 36-43.
 

Referenzen:

Kinestasis

Phasenfotografie

Screenshot

Standvergrößerung

Stehkader

step-printing


Artikel zuletzt geändert am 22.04.2012


Verfasser: HJW


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