Lexikon der Filmbegriffe

Funkoper


engl.: radio opera

In der Radiogeschichte gab es auch Versuche, entweder Opern für die Radioausstrahlung zu adaptieren oder opernartige Hörspiele zu entwickeln – es bestand das Problem, die Visibilität der Opernaufführung mit rein akustischen Mitteln zu ersetzen. Schon sehr früh wurden erste Funkopern konzipiert, die selbstreflexiv das Verhältnis des Menschen zur Technik ins Zentrum rückten (wie etwa Werner Egk, Columbus, 1932, oder Der Lindberghflug, 1930, von Bertolt Brecht, Kurt Weill und Paul Hindemith). Insbesondere nach dem Weltkrieg genoß die Funkoper eine gewisse Popularität, schien sie es doch zu ermöglichen, die oft monumentalistische Inszenierung von Opern in der Nazizeit durch eine individualisierte, viel intimere Form der Rezeption zu kontern. Es waren Werke wie Boris Blachers Die Flut (1946) oder Hans Werner Henzes Kafka-Adaption Ein Landarzt (1951), die musikalische Form und Innenperspektive des Erzählens miteinander zusammenzubringen versuchten. Die Funkoper stand aber auch von Beginn an in der Kritik – als eine musiküberlastete Form des Hörspiels.

Literatur: Blum, Klaus: Die Funkoper. Phänomenologie und Geschichte einer neuen Kunstgattung. Diss. Köln 1951. – Jeschke, Lydia: Von überallher aus der Welt". Technik und Fortschritt in der Funkoper. In: Aspekte des modernen Musiktheaters in der Weimarer Republik. Hrsg. v. Nils Grosch. Münster [...]: Waxmann 2004, S. 193‑207. – Oster, Andrew: Radio, rubble, and reconstruction: The genre of Funkoper in postwar occupied Germany and the German Federal Republic, 1946‑1957. Ph.D. Thesis, Princeton University 2010.



Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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