Lexikon der Filmbegriffe

Hollywood-Ikone


wörtlich: Hollywood-Bild, mit der Anspielung auf: Ikone = Heiligenbild


Gemeint sind Hollywood-Stars, die als bildhafte Erinnerungen in das populäre kulturelle Gedächtnis eingewandert sind und deren Kenntnis zum allgemeinen Wissensstandard gehört. Lauren Bacall, Louise Brooks, James Dean, Jane Fonda, Greta Garbo, Hedi Lamarr, Marilyn Monroe, Al Pacino oder Liz Taylor – es sind unzählige Darsteller, die unter dem Label „Ikone“ kolportiert werden. Das Label wird vor allem in werblicher Kommunikation verwendet, hebt den historischen Wert der Nominierten als „Lieblinge der Populärkultur“ zu Zwecken der Verkaufsförderung hervor.


Die Bedeutung der vor allem in der Presse verbreiteten Betzeichnung spielt mit den Bedeutungen der Ikonen in den orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus. Hier bezeichnet eine Ikone Kult‑ und Heiligenbilder, die Ehrfurcht erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten inkorporieren sollen. Eigentlich ist der Begriff aus der identifikatorischen Intensität der Beziehungen von Zuschauern zu Stars motiviert; ihr Rolle als bild- und namengewordene Repräsentation des Hollywood-Produktionssystems ist nur von zweitem Belang.


Unklar ist die Frage, ob das Wissen über Stars über das Wissen von Filmen und Rollen und möglicherweise vergangene Unterhaltungserlebnisse hinausgeht, ob sie also mit einem allgemeineren Horizont von Werten, Stilen, Haltungen und Bedeutungen assoziiert sind und darum als symbolhafte Verkürzungen von komplexen Wissenseinheiten gewertet werden müssen. Vor allem diskurstheoretisch orientierte Analysen der Images einzelner Stars legen letztere Interpretation nahe.




Literatur: Lowry, Stephen: Stars und Images. Theoretische Perspektiven auf Filmstars. In: Montage/AV 6,2, 1997, S. 11‑35. – Mustazza, Leonard (ed.): Frank Sinatra and popular culture. Essays on an American icon. Westport, Conn. [...]: Praeger 1999. - Fischer, Lucy: Greta Garbo and silent cinema. The actress as Art Deco icon. In: A feminist reader in early cinema. Ed. by Jennifer M. Bean. Durham, N.C.: Duke University Press 2002, S. 476-498.


Artikel zuletzt geändert am 15.06.2016


Verfasser: HJW KB


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