Lexikon der Filmbegriffe

Jugendkriminalität im Film


Oft deutlich auf die Moral von der Geschichte ausgerichtetes Motiv im Spiel- und Dokumentarfilm, vor allem in Milieu- und Quartierstudien sowie weiteren, einem grundsätzlich realistischen Duktus verpflichteten Genres; entsprechend selten tritt es in Kriminal-, Gangster- oder Actionfilmen auf. Oft wird nach den Gründen gefragt, die Jugendkriminalität begünstigen können – was mit der Formulierung einer Gesellschaftskritik einhergeht –, und entsprechend fallen die Filme durch eine Reihe wiederkehrender Motive auf. Dazu gehören der Mangel an Perspektiven, hohe Arbeitslosigkeit und Armut, eine Adoleszenz in anonymen Trabantenstädten, Minoritätsprobleme und Kulturkontraste, die Entwurzelung der zweiten Generation als Folge der Emigration, Identitätsprobleme sowie schwer belastete Generationenbeziehungen. Das Motiv verhält sich über weite Strecken wie das der Kleinkriminalität, bevorzugt in der Kombination jedoch andere Motive und kommt darüber hinaus weitaus seltener in Komödien vor. Im dokumentarischen Bereich sind Doku-Porträts über einzelne Jugendliche oder ganze Banden zu verzeichnen, aber auch gesellschaftskritische Beleuchtungen staatlicher Institutionen wie Jugendstrafanstalten etc.

Beispiele: Los Olvidados (Mexiko 1950, Luis Buñuel); Die Halbstarken (BRD 1956, Georg Tressler); 491 (Schweden 1963, Viktor Sjöman); Die letzten Jahre der Kindheit (BRD 1979, Norbert Kückelmann); Ragazzi fuori (Italien 1985, Marco Risi); Knallhart (BRD 2006, Detlev Buck).

Literatur: MacGee, Mark Thomas / Robertson, Randolph J.: The J.D. films. Juvenile delinquency in the movies. Jefferson, NC [...]: McFarland 1982.



Artikel zuletzt geändert am 02.03.2012


Verfasser: PB


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