Lexikon der Filmbegriffe

Fotosequenz

Eines der wenigen sequentiellen Formate der Foto‑Kunst, das in den 1960ern von den beiden Amerikanern Duane Michals und Dennis Oppenheim entwickelt wurde: Aus der Reihung photographischer Bilder sollen abstrakte Ideen, Vorgänge oder Zustände optisch zum Ausdruck gebracht werden. Eine Fotosequenz besteht aus mindestens drei Bildern, die vom Betrachter nicht nur einzeln erfasst werden müssen, sondern auch als Abfolge und als Gesamtstruktur (als Sequenz und Gestalt). Fotosequenzen sind den Bildreportagen insofern verwandt, als auch diese mit Bildfolgen arbeiten (können). Allerdings sind sie chronologisch festgelegt (sei es, dass sie Abläufe darstellen, sei es, dass sie Aufnahmen eines gleichen historischen Moments nebeneinander stellen). Sequenzen, die den Zusammenhang der Einzelbilder in der Art von Stories (story art), von Sketchen oder auch skurrilen bis surreal wirkenden Moritaten bestimmen, werden meist von den Fotografen selbst inszeniert. Fotosequenzen können über diese inhaltliche Festlegung des Zusammenhangs der Bilder hinausgehen, wenn sie zeitlich und räumlich weit auseinanderliegende Ereignisse in einer Art formaler Collage zusammenbringt oder auch wenn sie lediglich formale optische Eindrücke zusammenfügt, so dass formale Muster erkennbar werden. Insbesondere die Darstellung von surrealen Szenen, Träumen, Rauscherfahrungen und auch von symbolischen Handlungen greift oft auf Techniken der Bildbearbeitung (Mehrfachbelichtung, Verwischung, Verwacklung und ähnliches) zurück. Manchmal wird auch der Kamerastandort systematisch variiert, so dass die Bildfolge fast wie eine „Begehung“ des Objekts wirkt. Fotosequenzen werden im Film manchmal als Folgen von Standbildern als Mittel der Verfremdung eingesetzt, als Hinweis auf die Vergangenheit des dargestellten Geschehens und ähnliches; allerdings fehlt hier die Möglichkeit der synoptischen Erfassung der Fotosequenz als mehrteiliges Bild. In Michelangelo Antonionis Film Blow Up (Großbritannien/Italien/USA 1966) wirft eine Folge von Bildern, die alle an einem Nachmittag im Park entstanden sind, die Frage auf, welche Wahrheit eine derartige Sammlung von Photos überhaupt aufbewahren kann.

Literatur: Bildau, Gerd / Michals, Duane: Duane Michals, the theatre of real life. / Duane Michals, the theatre of real life, das Theater des täglichen Lebens. Photo‑Stories in Duisburg. Essen: Klartext 2004. – Konstantinovi, Zoran: Von Photoroman zur Photosequenz. Überlegungen zu einer komparatistischen Grenzüberschreitung. In seinem: Grundlagentexte der vergleichenden Literaturwissenschaft aus drei Jahrzehnten. [...] Innsbruck [...]: Studien‑Verlag 2000, S. 105-112.


Artikel zuletzt geändert am 06.11.2011


Verfasser: KB


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