Lexikon der Filmbegriffe

politisches Drama

engl.: political drama

Das thematisch definierte politische Drama gehört zum historischen Film, zum Docudrama, oft auch zum (Polit- und Spionage-)Thriller. Die durchweg realistisch angelegten Filme des Themenkreises behandeln entweder Figuren, die in Zeiten politischer Krise ihre Fähigkeit zu verantwortlichem Handeln beweisen müssen oder deren Loyalität zum System gefordert ist. Die Filme sind fast immer als Kommentare zu politischen Konflikten und Krisen angelegt, legen moralisch legitimierte Haltungen offen, plädieren für behutsames und bedächtiges Handeln. In den USA haben sich vier Varianten herausgebildet: Der wichtigste exploriert Strategien moralischen Handelns unter krisenhaften Bedingungen (wie z.B. Seven Days in May, USA 1964, John Frankenheimer, über eine Konfrontation der USA mit der UdSSR, ähnlich auch in Thirteen Days, USA 2000, Roger Donaldson, der die Kubakrise dramatisiert; erinnert sei auch an The Best Man, USA 1964, Franklin J. Schaffner, der von einer Rufmordkampagne gegen einen Präsidentschaftskandidaten erzählt); ein zweiter Typus erzählt in der Art der Biopics von meist im Titel bereits benannten berühmten Politikerfiguren (wie etwa Young Mr. Lincoln, USA 1939, John Ford, Malcolm X, USA 1992, Spike Lee, oder Michael Collins, Großbritannien/Irland/USA 1996, Neil Jordan); die dritte Variante kritisiert Vertreter der politischen Kaste, die ob ihrer eigentlichen Aufgaben sich als unfähig, korrupt oder ängstlich erweisen (wie in All the King‘s Men, USA 1949, Robert Rossen, oder in Missing, USA 1982, Konstantin Costa-Gavras; manchmal sind diese Geschichten als Detektiv- oder Reportergeschichten erzählt, man denke an All the President‘s Men, USA 1976, Alan J. Pakula); und schließlich finden sich eine ganze Reihe von Filmen, die den oft fatalen Einfluß der Politik auf das Leben von Durchschnittsbürgern aufzeigen (wie in City of Hope, USA 1991, John Sayles). Besondere Erzählmuster haben sich in Geschichten herausgebildet, die in Krisengebieten vor allem der Dritten Welt angesiedelt sind, oft in Konfrontation mit totalitären Regimes (wie im Haiti von The Comedians, USA/Frankreich 1967, Peter Glenville, während der Schweinebucht-Invasion in Memorias del subdesarrollo, Kuba 1968, Tomás Gutiérrez Alea, oder auch im IRA-Kampf in In the Name of the Father, Irland/Großbritannien 1993, Jim Sheridan).

Referenzen:

Politthriller


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: AS


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