Lexikon der Filmbegriffe

Schwule

Die Art, wie schwule Figuren inszeniert werden, sagt etwas über die in einer (heterosexuellen) Gesellschaft virulenten Vorstellungen über schwule Männer aus. Jahrzehntelang wird ihre Darstellung verboten, gemieden oder auf die Klischees der effeminierten Tunte („passiv“) oder des harten Lederkerls („aktiv“) reduziert. Während Erstere als asexuelle und oft groteske Nebenfiguren für „Komik“ oder als pathologische Killer für Entsetzen zuständig sind, verkörpern Letztere eine aggressive, freilich „abnorme“ Sexualität. Beide gelten als Bedrohung einer unbescholtenen männlichen Heterosexualität und als Gefahr für die männliche Jugend. Derart explizite (und explizit gehässige) Kommentare zur männlichen Homosexualität werden ergänzt durch unterschwellige, indirekte Schilderungen gleichgeschlechtlichen Begehrens. Seit dem Beginn der Schwulen- und Lesbenbewegung (insbesondere seit den New Yorker Stonewall-Unruhen von 1969) werden die negativen Vorurteile insofern durch positive ersetzt, als die Mainstream- Komödie heute regelmäßig auf schwule Nebenfiguren zurückgreift, die sich durch Harmlosigkeit und Austauschbarkeit auszeichnen. Ernstzunehmende Darstellungen schwuler Figuren sind oft an die Existenz schwuler Filmemacher gebunden, die seit den 1980er und 1990er Jahren – vor allem im Rahmen des Queer Cinema – den heterosexuellen Konzepten realistische Entwürfe schwuler Lebenslogiken und Figuren entgegenstellen.

Beispiele: Cruising (USA 1980, William Friedkin); Parting Glances (USA 1985, Bill Sherwood); Ceux qui m'aiment prendront le Train (Frankreich 1988, Patrice Chéreau).

Literatur: Parish, James Robert: Gays and lesbians in mainstream cinema. Plots, critiques, casts and credits for 272 theatrical and made‑for‑television Hollywood releases. Jefferson, N.C. [...]: McFarland 1993. – Russo, Vito: The celluloid closet. Homosexuality in the movies. New York, NY [...]: Harper & Row 1981. Dt.: Die schwule Traumfabrik. Homosexualität im Film. Berlin: Gmünder 1990.

Referenzen:

Homosexualität / Homoerotik


Artikel zuletzt geändert am 06.11.2011


Verfasser: PB


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